Besuch

„Durch meine Kinder lerne ich Popmusik“

Hochschwanger unterstützt Magdalena Kožená musikalische Erziehung von Hörgeschädigten

Lächelnd sitzt sie da, streicht sich über ihren rund gewordenen Bauch. Es ist sehr heiß im großen Klassenraum der Reinfelder-Schule, einer Grund- und Oberschule für schwerhörige Kinder, die an diesem Tag einen überaus prominenten Gast in ihrer Musikstunde zu Besuch hat.

Ein bisschen vom eigenen Lampenfieber erzählen und dabei den Kindern einen Einblick in das Leben einer Musikerin geben – dafür ist die Mezzosopranistin Magdalena Kožená extra nach Westend gekommen – und das, obwohl der Geburtstermin ihres dritten gemeinsamen Kindes mit Sir Simon Rattle, dem Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker, immer näher rückt.

Die Kinder, die an diesem Tag ein Coaching von der Sängerin bekommen sollen, wirken gemeinsam an dem Theaterstück „Sound of Silence“ mit – einem Musik- und Tanzprojekt, in dem sich die Kinder mit ihrer Behinderung auseinandersetzen.

„Eigentlich sollte ich ein Mädchen beim Singen unterstützen, aber das gestaltete sich ein wenig schwierig“, sagt die 40-jährige Sängerin, die bereits zwei Söhne im Schulalter hat. „Deshalb möchte ich den Jugendlichen heute auch vermitteln, dass selbst wir als professionelle Musiker Lampenfieber vor Auftritten haben und dass das auch gut so ist. Denn ohne Adrenalin kann man auch keine guten Leistungen bringen, zumindest ist das meine Meinung.“

Kennengelernt hat Magdalena Kožená das Schulprojekt durch ihre Freundin, die Choreografin Gabriele Bayertz, die sowohl das Projekt an der Schule in Westend mit ihrer Kollegin Christine Gensler leitet als auch an der Schule von Koženás ältestem Sohn Jonas unterrichtet. „Ich bewundere die Kinder dafür, wie sie mit ihrem Handicap umgehen. Für mich als Sängerin ist es unvorstellbar, nicht hören zu können“, sagt die Musikerin. „Dennoch erlebe ich hier, dass die Jugendlichen die Musik einfach auf eine andere Weise, durch Vibration und ihre Gehörhilfen, kennenlernen. Eine überaus spannende Erfahrung.“

Dass musikalische Einflüsse bei der Erziehung von Kindern unerlässlich sind, davon ist die gebürtige Tschechin sowieso überzeugt. „Ich glaube, dass künstlerische Förderung genauso wichtig ist wie Mathematik in der Schule“, sagt die Sängerin, in deren Familie die Musik – allein schon aufgrund ihres Berufs – eine große Rolle spielt. „Mein Sohn ist gerade ganz verrückt nach seinem Kontrabass. Gerade hat er angefangen, das Instrument zu lernen.“

Nur Klassik gibt es im Haus des Musiker-Ehepaars jedoch nicht. „Wenn ich anfange zu singen, sagen meine Kinder ,Hör’ auf, wir wollen singen“, sagt sie. „Eher lerne ich durch meine Kinder die Popmusik kennen. Bei uns ist ,Happy’ von Pharell Williams ganz hoch im Kurs.“

Auf die Frage, ob die Wahlberlinerin bei der Premiere des Projektes „Sound of Silence“ am 2. Juli in den „Neuen Kammerspielen“ in Kleinmachnow dabei sein wird, lächelt sie nur ein wenig und streicht sich über ihren Bauch. „Das wird wahrscheinlich ein bisschen eng werden“, sagt ihre Freundin Gabriele Bayertz und lacht.

Doch spätestens Anfang September will die Sopranistin wieder auf der Bühne stehen und singen, verrät die werdende Mutter selbst, „und zwar in der Matthäus-Passion in der Schweiz, in London und New York“.