Stilfrage

Kommissare in lässigem Leder

Cordula Schmitz über modische Gründe und Sünde

Ich schaue seit neuestem am Sonntagabend „Tatort“. Es ist ein Zugeständnis an den Mann. Eigentlich bin ich eher der Rosamunde-Pilcher-Inga-Lindström-Typ. Ich gehe nämlich gerne schlafen, ohne Mörder, Psychos oder Dramen in dysfunktionalen Familien im Kopf zu haben. Allerdings, mittlerweile finde ich es gar nicht mehr so übel. Vom modischen Standpunkt her langweilten mich die Blümchenkleider an der Küste Cornwalls und der Schweden-Look mit Strickjacke im Fjord schon eine ganze Weile auf dem Bildschirm. Daher bietet der „Tatort“ eine ganz neue Style-Dimension. Ein Kleidungsstück ist mir dabei besonders ins Auge gesprungen: die Kommissarlederjacke. Es gibt sie jedes Mal, nur in verschiedenen Varianten. Auch Wotan Wilke Möhring trug eine solche als Thorsten Falke. Sie war braun, eng und glänzend. Seine Kollegin wählt die weibliche Varianten: schwarzer, glänzender Ledermantel. Ermittler Nick Tschiller alias Til Schweiger hat auch eine an: neben seinem nackten Hintern und dem Pullover mit V-Neck eines seiner Markenzeichen. Leider ist er nicht so lässig wie Wotan und kauft anscheinend nicht im gleichen Kommissarklamottenladen. Vorgemacht haben den Ermittler-Style natürlich die Nordlichter. Dort sind die Ermittler längst Stilikonen. Lisbeth Salander bekam ihre eigene Kollektion. Die schwedischen Kommissarin Saga Norén hat schicke Sachen und einen 911 Porsche Targa. Könnte man nicht endlich Läden mit TV-Anschluss eröffnen? Für Kommissarlederjacken, Blair-Waldorf-Chic und ja, wegen mir auch Rosamunde-Pilcher-Kleider. Nur Til Schweigers Hintern gibt es nicht.