Musik

Marcus Wiebusch kämpft mit Konfetti gegen Homophobie

„Es ist eine Hassliebe“, sagt Marcus Wiebusch über sein Verhältnis zu Berlin. Trotzdem kam der Kettcar-Frontmann und Hamburger aus Leidenschaft auf dem Weg zu seinem ersten Soloalbum nicht an der Stadt vorbei

. „Es ist wohl tatsächlich so, dass die besten Produzenten in Berlin sitzen“, sagt er. „Es ist eine sehr inspirierende Stadt, die für die Kunst sehr vorteilhaft ist.“ Und so wurde Berlin ganz unverhofft nicht nur zum Aufnahmeort von „Konfetti“, sondern hat es mit einem Porträt aus Kreuzberg sogar aufs Cover geschafft.

Bevor sich Marcus Wiebusch an seinen Erstling gewagt hat, mussten mehr als 20 Jahre im Musikbusiness vergehen. „Ich habe mich in meinen Bands eben immer wohl gefühlt“, erklärt er sein Zögern. Nun sei jedoch der Punkt gekommen, an dem er der bandinternen Diskussionen überdrüssig geworden sei. „Ich wollte einfach meine Musik machen und nicht debattieren“, sagt er. Das Ende von Kettcar bedeute das aber nicht. „Es mag helfen, sich den Raum zu lassen, um dann mit freiem Kopf wieder zueinanderfinden zu können.“

Mit „Konfetti“, das in dieser Woche erschienen ist, hat sich Wiebusch hohe Ziele gesteckt. „Ich möchte, dass diese elf Songs alles, was ich bisher gemacht habe, in den Schatten stellen“, so der 45-Jährige. Vor allem ein Titel liegt ihm besonders am Herzen. In „Der Tag wird kommen“ singt er über seine Hoffnung, dass das Outing eines aktiven schwulen Profifußballers in naher Zukunft erfolgen wird. „Bisweilen hat mich der Song um den Schlaf gebracht, so wichtig war er mir“, sagt der Fan des FC St. Pauli.

Dazu inspiriert habe ihn eine Solidaritätsbekundung gegen Homophobie bei einem Stadionbesuch mit seinem homosexuellen Bruder. Es folgten Gespräche mit Sportjournalisten und intensive Recherche. Herausgekommen ist ein textgewaltiger Song von mehr als sieben Minuten Länge. „Das Stigma, das in vielen anderen gesellschaftlichen Schichten und Sportarten bereits verschwunden ist, wird auch im Fußball nicht ewig Bestand haben“, sagt Wiebusch. Die Reaktionen auf seinen Song jedenfalls seien bisher durchweg positiv gewesen – auch die seines Bruders: „Er war sehr gerührt, als er ihn zum ersten Mal gehört hat.“