Stilfrage

3, 2, 1, ... nicht meins!

Cordula Schmitz über modische Gründe und Sünde

Letztens las ich in einer Zeitung, dass deutsche Konsumenten das Online-Shopping lieben. Ich fröne dieser Lust auch. Aber nur ab und zu. Und ich gehöre zu folgender Kategorie: Ich wandere durch den Online-Laden, packe mir den virtuellen Warenkorb voll und gehe nie zur Kasse. Das fühlt sich wie Einkaufen an, doch das Konto ist nicht im Minus. Und ich erspare mir das lästige Zurückschicken. Genau das ist laut Zeitungstext das Problem der Online-Shopper. Die deutschen Käufer sind nicht nur spitze im Bestellen, sondern auch im Zurückschicken. Dabei sind sie wirklich dreist. Besonders im Luxussegement. Ein Smoking für 4000 Euro wurde zum Beispiel an einen Online-Luxusversand zurückgeschickt. Begründung: Er habe nicht die richtige Größe. Die beiden abgerissenen Opern-Karten in der Innentasche verrieten eine andere Geschichte. Oder das Valentino-Kleid mit Chantilly-Spitze für knapp 3000 Euro, das die Mitarbeiter des Versandhandels völlig zerknüddelt aus dem Retour-Karton zogen. Da hatte jemand einen Abend oder eine Nacht mit viel Zigaretten und Alkohol verbracht. Außerdem war da ein großer tintenblauer Fleck auf dem Stoff. Wie verflixt gern ich diese Geschichte hören würde. Ob ihr der geliehene Montblanc-Füller auf dem Sitz des Leihwagens ausgelaufen ist, als sie den Ehevertrag mit dem Oligarchen unterschreiben wollte, der sie für eine französische Prinzessin hielt? Die Begründung für die Retour: zu klein.

Ich glaube, das Problem liegt an einer anderen Stelle. Ich wünsche mir einen Online-Shop, der mir Kleidervorschläge nach Gelegenheiten macht. Mir schwebt so eine Suchmaschine vor, in die man eintippen kann: „Party von bester Freundin des Mannes. Treffe Leute dort zum ersten Mal und möchte smart und clever wirken.“ Oder: „Drama-Auftritt wie Sophia Loren bei einer Mafia-Beerdigung.“ Und dann möchte ich ein rattenscharfes schwarzes Kleid mit Grandezza von hier bis ins letzte italienische Bergdorf. Dann wäre das mit der Frau in dem Chantilly-Kleid und dem russischen Oligarchen sicher auch gut gegangen. Die Maschine hätte nämlich ein Kleid von Versace ausgespuckt, ist doch klar. Und dann hätte sie es auch behalten, wegen guter Erinnerungen und so.