Eröffnung

Mehr Fleisch für Mitte

Riccardo Giraudi aus Monaco eröffnet seine sechste „Beefbar“ in Berlin – und hat keine Angst vor der Konkurrenz

Überraschenderweise sieht der König unter den Fleischimporteuren gar nicht nach Fleisch aus. Kein breitschultriger Amerikaner, sondern ein 38-jähriger gebürtiger Italiener, der in Monaco lebt. Riccardo Giraudi ist ein wenig müde an diesem Mittwochvormittag, dem Tag, an dem das Eröffnungsdinner in seiner ersten „Beefbar“ in Berlin stattfinden soll. Am Abend zuvor hatte er sich gleich nach seiner Ankunft aus Monte Carlo, dort, wo er 2006 seine erste „Beefbar“ eröffnete, mit Freunden in der Stadt getroffen – ein langer Abend. Zum Frühstück gibt es Cola light.

„Ich habe diese Dependance gestern zum ersten Mal gesehen und bin gespannt, wie der Laden hier in Berlin angenommen wird“, sagt der 38-Jährige. Er schätzt die Konkurrenz wie das „Grill Royal“, hat aber keine Angst vor ihr. „Hier am Hausvogteiplatz ist der richtige Ort für unser Restaurant. Und wenn die Qualität stimmt, dann setzen wir uns überall durch.“ Genau diese Überzeugung, dass es auf die perfekte Qualität ankommt, war für den Unternehmer der entscheidende Grund, ins Gastronomiegeschäft einzusteigen.

Riccardo Giraudi stand vor einigen Jahren vor einem grundlegenden Problem: Nirgendwo in Monaco konnte er Geschäftspartner zu einem „perfekten Steak in perfekter Atmosphäre“ einladen. Ungünstig für einen Unternehmer, der mit Fleisch überzeugen will. Mit der Vision eines eigenen Ladens engagierte er den heutigen Küchenchef Thierry Paludetto und entwickelte mit ihm gemeinsam das Konzept der „Beefbar“: einfaches Essen in erstklassiger Qualität in einem schönen Ambiente.

Sein Konzept scheint aufzugehen. Zu seinen Stammgästen in Monte Carlo gehören Schauspieler wie Jack Nicholson und Kevin Costner. Tina Turner kommt regelmäßig vorbei, genau wie die Fürstenfamilie. „Obwohl man denkt, dass gutes Fleisch eher Männersache ist, kommt Fürstin Charlène viel häufiger zu uns als Albert“, sagt Riccardo Giraudi. „Eigentlich waren alle schon einmal bei uns. Man kommt auch in die ,Beefbar‘, um gesehen zu werden.“ Um dieses Flair und vor allem den „Beefbar“-Standard am Hausvogteiplatz zu garantieren, hat Giraudi Küchenchef Paludetto für mehrere Wochen nach Berlin geschickt, um den Berliner Küchenchef Thomas Giese und sein Team zu coachen. Besonders die Zubereitung der Steaks und des Kartoffelpürrees muss bis zur Eröffnung perfekt sitzen – immerhin sind diese beiden Komponenten die Aushängeschilder der „Beefbar“. Und damit beides gelingt, stehen in der Küche sowohl ein Hightech-Ofen, der Temperaturen bis zu 1000 Grad Celsius erzeugen kann, als auch eine spezielle Maschine für den Kartoffelbrei. Beides hat sich Giraudi patentieren lassen.

„Das Geheimrezept für die Gewürzmischung, die unser Fleisch unverwechselbar macht, wurde nicht einmal mir verraten“, sagt Thomas Giese und lacht. „Aber viele andere Tipps und Tricks schauen wir uns bei Thierry ab, damit es in allen ,Beefbars‘ perfekt wird.“ 400 Gäste finden in dem Restaurant, dessen Interieur vom Design-Team Emil Humberg und Christophe Poyet gestaltet wurde, Platz. Zwar ist sich Giraudi bewusst, dass in Mitte nicht wie in Monte Carlo ständig Rolls Royce und Bentleys vorfahren werden. Aber genau das sei die Besonderheit des Restaurants. „Jeder, der Lust auf gutes Fleisch hat, fühlt sich hier wohl“, sagt Giraudi, der selbst sein kritischster Kunde ist – und das, obwohl er zugibt, „nicht einmal ein Ei“ kochen zu können.

Wenn er in Berlin zu Gast ist, übernachtet Giraudi im „Soho House“ – dort, wo auch George Clooney stets nächtigt. Vielleicht empfiehlt man dem Hollywood-Star dort ja auch mal die „Beefbar“. Als Stammgast im „Grill Royal“ könnte es ihm womöglich dort gefallen.