Zwischenmenschlich

Eiersuche und Hasenjagd

Ostern steht vor der Tür, und das ist ja traditionell das Fest des Suchens und Findens.

Was wirklich mal eine schöne Blaupause für den Berliner Alltag der Generation Dreißignochwas darstellen würde, die sich den Rest des Jahres doch mehr dem Verstecken widmet. Zumindest wenn ich meinen Singlefreunden Glauben schenken mag, ist das Finden dieser Tage eine fast aussichtslose Sache. „Wo haben sich nur die guten Männer/Frauen versteckt?“, fragen sie, und man sieht ihnen an, dass sie auf das Suchen genauso wenig Lust haben wie auf das Osterfamilienfest in der heimatlichen nordrheinwestfälischen Tiefebene.

Dieser Zustand ist nichts Neues, ebenso wenig wie das Phänomen der Mingles (die, die nicht wissen, ob sie schon eine Beziehung haben oder noch daten), Berliner Verhältnisse eben. Was mich aber zusehends irritiert, ist die Ernsthaftigkeit, mit der das sonst so entspannte Kreuzberger-Kneipen-Volk mittlerweile an diese Frage ran geht. Das hat nichts mehr von verspielter Eiersuche, das ist knallharte Hasenjagd. Und das vorhandene Freiwild wird nach strengsten Kriterien ausgewählt („Der mag ja nett sein, aber die Schuhe, ich bitte dich“). Kein Wunder, dass am Ende nichts mehr erlegt wird.

Selbst der gute alte One-Night-Stand fällt heute unter andere Gesetze. Vorbei die Zeit, in der zwei Menschen sich getroffen und alles um sich herum vergessen haben (und sich am nächsten Morgen wünschten, die ganze Angelegenheit zu vergessen). Oder was soll man von der Geschichte eines Freundes halten, bei dem die Erbeutete das Geschehen irgendwann mit den Worten unterbrach, sie müsse jetzt schlafen, am nächsten Morgen habe sie Fit-Fight-Kursus im Fitnessstudio? Eine Freundin wiederum erzählte, wie der Mann auf dem Weg ins Schlafzimmer im Bad abbog, um sich die Zähne zu putzen – und ihr ebenfalls eine abgepackte Bürste in die Hand drückte. Er putze sich nun mal immer vorm Zu-Bett-Gehen die Zähne, hieß es, und sie dürfe sich auch gerne abschminken, wenn sie wolle. Trotz dieser romantischen Einlage ist sie über Nacht geblieben – sie war damals neu in Berlin und wusste noch nicht, dass man in solchen Fällen ebenfalls strenge Prioritäten setzt. Dafür wurde sie am nächsten Morgen allerdings mit einem Frühstück belohnt. Mit perfekt gekochtem Ei.