Mittag mit

Georg M. Osswald

Jeden Mittwoch trifft Alexandra Kilian einen Menschen der Stadt zum Lunch. Heute: Georg M. Oswald, Jurist, Schriftsteller („Unter Feinden“) und Verleger, im Berlin Verlag.

Es gibt: Kaffee.

Seit einem halben Jahr sind Sie nun in der Stadt. Angekommen?

Ja. Ich habe mich für die Nähe des Verlags entschieden und bin nach Kreuzberg gezogen, in die Dresdener Straße. Ich wusste vorher nicht, dass ich damit mitten ins Nachtleben gezogen bin. Aber: Es ist sehr witzig da. Und ich kann zu Fuß ins Büro gehen. Berlin macht es einem leicht, anzukommen. Es ist eine sehr offene Stadt, mit Menschen aus aller Welt.

Bietet Berlin mehr Stoff für Geschichten als München?

Ja, schon. In Berlin ist die Nacht- und Kunstszene einzigartig, auch die Medienwelt. Alle diese Dinge sind in anderen Städten so nicht vorhanden. Aber ich selbst suche nie in meiner unmittelbaren Umgebung gute Schauplätze. Und es gibt viele Verfechter der These, dass die wirklich guten Romane alle in der Provinz spielen. Dafür gibt es auch viele Beispiele. Aber: Man kann sich hier sehr gute Anregungen holen.

Welche Berlin-Geschichten fehlen noch?

Als Roman? Was ich an Berlin so wahnsinnig spannend finde, ist, dass die Geschichte überall so sichtbar ist. Auf eine ganz andere Art als in München oder Hamburg, dort ist mehr versucht worden, die Spuren des Krieges zu verdecken. So bewegt man sich hier in einem sichtbar historischen Raum.

Und wann schreiben Sie darüber?

Ob ich da der richtige Autor bin, weiß ich nicht. Das würde ich mich nur trauen, wenn ich sehr viel mehr darüber wüsste. Bei so berühmten Autoren wie Fontane oder Döblin – da atmet der Leser auf jeder Seite Berlin ein.