Stil

Auf einen Haarschnitt mit Chiara Schoras

Die Berliner Schauspielerin über ihren Wunsch nach Veränderung und unvorteilhafte Vokuhilas

Ihre langen blonden Locken sind das Markenzeichen von Chiara Schoras. „Ihre Haare sind perfekt. Ich möchte am liebsten gar nichts an ihr verändern“, sagt sogar ihr Friseur Sven Henninges. Ein Kompliment, das sich die Schauspielerin gern gefallen lässt. Dass aber auch viele Filmemacher nicht auf die Schoras-Mähne verzichten wollen, wenn sie sie für eine Rolle besetzen, findet die 38-Jährige dann doch manchmal ein wenig bedauerlich. „Ich würde mich typmäßig gern viel häufiger verändern, aber meistens wollen mich die Produktionen so, wie ich bin“, sagt sie, als wir sie beim Friseur ihres Vertrauens – „molar“ in der Bleibtreustraße – treffen. „Für eine gute Figur würde ich mir sogar eine Glatze rasieren lassen“, so die ausgebildete Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin. „Ich habe eigentlich immer lange Haare gehabt, das wäre schon ein ganz schöner Schritt. Aber mit einer Rolle würde ich mich das trauen.“

Der positive Nebeneffekt dieser Besetzungspolitik: Von größeren Frisurensünden blieb Chiara Schoras bisher verschont. Nur einmal rutschte dem Figaro in ihrer Jugend die Hand aus, und die gebürtige Elmshornerin stand plötzlich mit Vokuhila da. „Meine Mutter ist gleich am nächsten Tag mit mir zu einem anderen Friseur gegangen und dann mussten die Haare ganz kurz geschnitten werden. Danach sah ich aus wie ein Junge.“

Derzeit trägt Chiara Schoras angesagtes Ombre-Hair. Ganz beabsichtigt war dieser Look mit zwei verschiedenen Blond-Tönen jedoch nicht. Vielmehr ist er das Ergebnis einer herausgewachsenen Aufhellung für ihre Rolle in dem ZDF-Film „Ein Sommer in Ungarn“ (Sonntag, 20.15 Uhr). Der Friseur ist trotzdem angetan. „Chiara sieht immer toll aus“, sagt er.

In der Romanze, für die Chiara Schoras im vergangenen Sommer einen Monat lang in Budapest und Umgebung vor der Kamera stand, wechselt die Wahlberlinerin die Seiten und greift selbst zur Schere. Sie spielt die Friseurin Dora, die, nachdem sie ihren Job auf einem Kreuzfahrtschiff verliert, in einem kleinen ungarischen Dorf strandet und sich dort verliebt. Für kleine Dörfer hat Chiara Schoras auch privat eine Schwäche, vor allem, wenn es sich um italienische handelt. Als Tochter einer Italienerin hat sie ihre halbe Kindheit im Süden verbracht und sehnt sich auch heute noch in die Berge Umbriens, wenn sie zu lange nur in Deutschland ist. „Das brauche ich immer wieder – einen Ort, wo ich Ruhe habe, wo ich von Natur umgeben bin. Ich brauche den Ausgleich“, sagt sie. Auch wenn sie sich eigentlich als Stadtmensch bezeichnet. Aufgewachsen ist die Schauspielerin in Hamburg. Vor zehn Jahren kam sie nach Berlin: „Meine Tochter war damals drei, und ich habe damals fast nur in Berlin gedreht. Ich hatte sie zu dieser Zeit immer mit am Set und wollte, dass sie langsam in den Kindergarten kommt. Also bin ich in die Stadt gezogen, in der ich sowieso die ganze Zeit war. Und seitdem habe ich nie wieder einen Film in Berlin gedreht.“

Angekommen in der Hauptstadt, verliebte sich Chiara Schoras in das wenig glamouröse Neukölln und blieb fast zehn Jahre. „Ich habe tatsächlich so richtig in Neukölln gewohnt. Zwischen Boddin- und Flughafenstraße. Nicht im hippen Kreuzkölln. Ich habe das sehr geliebt“, sagt sie. „Nicht nur, weil es multikulturell ist, auch, weil es so ein authentisches Viertel war. Mittlerweile hat sich das auch sehr verändert. Wenn ich zum Schluss aus meinem Fenster geschaut habe, habe ich dort Leute gesehen, die noch vor fünf Jahren einen großen Bogen um Neukölln gemacht hätten.“ Erst vor Kurzem ist sie mit ihrer mittlerweile zwölfjährigen Tochter nach Schöneberg ins Bayerische Viertel gezogen. „Da ist es sehr viel aufgeräumter. Ich habe ein bisschen gebraucht, um mich an den neuen Kiez zu gewöhnen.“

Überhaupt mag es Chiara Schoras gern unprätentiös. In ihrer Freizeit kleidet sie sich gern sportlich, und um rote Teppiche machte sie früher einen großen Bogen. „Ich habe mich da wirklich jahrelang total rausgehalten, weil mir das alles nicht geheuer war. Mittlerweile habe ich gelernt, dass das dazugehört“, sagt sie. „Und solche Abende machen auch Spaß.“ Aber: „Ich werde nie jemand sein, der auf jeder Party sein muss.“