Zwischenmenschlich

Copacabana am Laternenpfahl

Die vergangene Woche war ja voll von guten Nachrichten. „Wetten, dass..?“ wird abgesetzt, Bernhard Blaszkiewitz hatte seinen letzten Arbeitstag und Wolfgang Schäuble ist doch nicht blöd.

Die beste Nachricht ist aber die Lockerung des Lärmschutzes während der WM. Merkel und ihre Nationalmannschaft haben eine Sonderverordnung gebilligt, mit der auch nächtliches Public Viewing möglich sein soll. Dass es einer Sonderverordnung bedarf, für vier Wochen kein Spielverderber zu sein, ist feinste deutsche Ironie. Mich beschäftigt natürlich die Frage, ob mein Späti wieder Bierkisten rausstellen und den Flachbildfernseher für alle gut sichtbar am Laternenpfahl festbinden darf.

Ach, WM-Vorfreude. Nachdem wir im März schon 20 Grad hatten, stellen sich alle jetzt vor, wie sie in tropischer Wärme um drei Uhr nachts in Flip-Flops vor der Kneipe sitzen, Caipi schlürfen und Elfenbeinküste gegen Japan bejubeln. Was ist eigentlich, wenn passiert, was immer passiert, wenn man sich auf etwas freut, und es regnet? Wollen wir hoffen, dass Taktikerin Merkel auch dafür einen Paragrafen in die Verordnung hat schreiben lassen.

Apropos Vorfreude, ein Freund erzählte mir neulich von seiner – für echte Fans selbstverständlich absolut nachvollziehbaren – Angst, vor einer WM ins Koma zu fallen und erst danach wieder aufzuwachen. Ich musste ihm versprechen, es in einem solchen Fall wie bei „Good Bye, Lenin!“ zu machen, ihn also von der Außenwelt abzuschotten, alle Spiele nachträglich zu zeigen und die Fernsehsendungen von der Copacabana nachzuspielen. Eine Oliver-Kahn-Handpuppe und einen Pappmaschee-Zuckerhut bekommen wir schon irgendwie hin. Nur die Sonderverordnung für das nachträglich gestellte Public Viewing am Brandenburger Tor macht mir ein bisschen Sorgen.