Promibeziehungen

Schöne Menschen haben es schwerer

Singlecoach und Beziehungsberater Christian Thiel über die Kunst, den Partner fürs Leben zu finden

Als Singleberater und Beziehungscoach hat Christian Thiel in Berlin genug zu tun. Singles ziehe es erfahrungsgemäß in die Großstadt, erzählt der gebürtige Sauerländer, den wir im Café „Frau Krüger“ in Pankow zum Interview treffen. In den vergangenen Monaten habe er hier in seiner „Schreibstube“, wie er es nennt, viel Zeit verbracht. Ein halbes Jahr war er aus seiner Beratungstätigkeit ausgestiegen, um sein neues Buch „Wieso Frauen immer Sex wollen und Männer immer Kopfschmerzen haben. Die populärsten Irrtümer über Beziehungen und Liebe“ zu schreiben. Thiel weiß, worauf es ankommt, wenn es darum geht, den Partner fürs Leben zu finden. Eigentlich sei lediglich eine Erkenntnis wichtig: Partnerschaften funktionieren nur auf Augenhöhe.

„Wir müssen uns bewusst sein, dass wir alle eine Macke haben. Manche mehr, manche weniger. Die Kunst ist es herauszufinden, welche – und einen Partner zu finden, der dieselben hat“, sagt der Experte. „Suchen Sie nach Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten.“ Der Spruch „Gegensätze ziehen sich an“ sei für ihn deshalb ein Trugschluss. Ähnliche Herkunft, Lebensgeschichte, Vorlieben und harmonierende Charakterzüge – und eben die Augenhöhe seien unabdingbare Voraussetzungen für ein chaosfreies Beziehungsleben.

„Als erfolgreiche, große und gutaussehende Frau wird es schwer sein, einen Mann im Schwarzwald, Emsland oder in Mecklenburg-Vorpommern zu finden – weil es dort einfach zu wenig potenzielle Kandidaten gibt“, erklärt er. Die Wahrscheinlichkeit überhaupt einen Mann zu finden, der mit diesen Attributen leben kann, ist nicht besonders hoch, jedoch in der Großstadt immer noch höher als beispielsweise in einem Dorf.

Eine hohe Attraktivität mache dementsprechend die Partnersuche nicht einfacher. „Die Menschen suchen immer jemanden, der gleich attraktiv ist wie sie selbst“, sagt der Coach. „Ein Mann guckt natürlich einem Ferrari hinterher, kauft sich aber schlussendlich einen Golf, weil dieser besser zu ihm passt.“ Schneide man Hochzeitsbilder glücklicher Paare auseinander, wäre es nahezu jedem möglich, die Partner wieder zusammenzufügen, meint Thiel, und ist überzeugt, bereits auf den ersten Blick sehen zu können, ob ein Pärchen gut harmoniert.

Der Ehe zwischen Heidi Klumund Schmusesänger Seal habe er deshalb nie eine große Chance eingeräumt – jedoch aus einem ganz anderen Grund. „Eine Frau, die ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater hat, sucht einen Mann, der beinahe immer so ist wie dieser“, erklärt Thiel. Dabei gehe es jedoch nicht nur um charakterliche Eigenschaften, sondern auch um das äußere Erscheinungsbild, das Auftreten. Warum Heidi Klum dennoch „oppositionell“ gewählt hat, kann Thiel nicht verstehen.

Grundsätzlich habe er jedoch Vorbehalte gegen Beziehungen bekannter Paare. „Prominente Beziehungen, die in der Öffentlichkeit zelebriert, von Fotografen begleitet werden, kann ich selten ernst nehmen“, sagt der Therapeut und fügt eine weitere Problematik an: „Zudem ist es in diesen Kreisen scheinbar fast normal, fremdzugehen. Das gehört dazu.“ Beziehungen berühmter Eheleute, wie beispielsweise die von Ex-Tennisprofi Boris Becker und seiner Frau Lilly, sieht er ebenso problematisch, wie er auch das Liebesdebakel zwischen Rafael van der Vaart und seiner Ehefrau Sylvie habe voraussehen können. Auch die neue Beziehung zwischen dem Profi-Fußballer und Sylvies Freundin Sabia Boulahrouz stehe unter keinem guten Stern. „Eine beste Freundin würde nie den Mann der Freundin nehmen – selbst wenn die Gefahr da ist, weil sich diese Frauen meist sehr ähnlich sind“, erklärt Thiel. Promipärchen würde er immer raten, die Beziehung so privat wie möglich zu halten. Gute Beispiele dafür sind Jan Josef Liefers und Anna Loos, das Tennis-Traumpaar Steffi Graf und Andre Agassi sowie Schauspielerin Yvonne Catterfeld und Oliver Wnuk – deren Liebe nun mit einem Baby gekrönt wird.