Stilfrage

Geflasht vom Wendler-Style

Cordula Schmitz über modische Gründe und Sünde

Geschmacklosigkeit – ein weites Feld. Neulich erlebte ich diesbezüglich ein Highlight. Der Fernseher lief und ich packte Kartons für meinen Umzug. Daher sah ich hin, als es plötzlich um Inneneinrichtung ging, zwecks Inspiration. Es war das Prominenten-Dinner. Schlagersänger Michael Wendler kochte in seiner „Villa“. Das Haus: Eine Southfork-Ranch für Show-Hysteriker. Im Klartext: sich aufbäumende, bronzefarbene Pferde in der Auffahrt, eine Showtreppe mit goldenem Geländer, dicke Glastische, goldene Adler als Dekorationsobjekte und die Bar mit Champagner und Schnaps im Eingangsflur. Nicht zu vergessen der Pool. Und das Gestüt, in dem er schwarze Pferde züchtet. Der Hausherr posiert gerne im offenen Hemd und sagt Sachen wie: „Wenn ich zu mir nach Hause kommen würde, wäre ich auch geflasht.“ Ja, Herr Wendler, das war ich schon vom Fernseher aus. Es war so schlimm – wenn man Carmen Geiss als Inneneinrichterin engagierte, sie könnte es nur verbessern. Stil ist eben auch, wenn man weiß, wann es genug ist. In diese Falle, wenn auch in einem anderen Metier, tappt auch Madonna gerne. Sie bringt jetzt eine überflüssige Gesichtscreme auf den Markt. Im schwarz-weißen Werbevideo räkelt sie sich auf dem Boden und in der Badewanne, fummelt an sich rum (nein, nicht im Gesicht) und brabbelt Sätze wie: „Alchemie – ich verbrachte Stunden damit. Essenz – Bernstein-Haut riecht nach deinem Geist.“ Soso. Vielleicht sollten der Wendler und Madonna sich mal treffen. Madonna könnte dem Wendler Creme mitbringen, sie könnten gemeinsam den Pferden etwas vorsingen und nackt in den Pool springen. Vielleicht gäbe es dann eine Stil-Implosion.