Zerstritten

Bester Freund verklagt Lindenberg

Eddy Kante verlangt von dem Panikrocker 563.534 Euro. Am 4. Juni sehen sie sich vor Gericht wieder

33 Jahre lang waren sie ein Herz und eine Seele. Panikrocker Udo Lindenberg, 67, und seinen Bodyguard Eddy Kante, 54, verband das, was man eine echte Männerfreundschaft nennt. Anscheinend unkaputtbar, den Stürmen des Lebens, den ständigen Aufs und Abs trotzend – eine Freundschaft wie eine Bank. Doch das war einmal.

Tiefer zerstritten könnten die ehemaligen Weggefährten kaum sein, denn seit Freitag fechten sie vor dem Hamburger Arbeitsgericht einen Rechtsstreit aus. Eddy Kante, bis 2013 Lindenbergs persönlicher Leibwächter, klagt nach Angaben von Gerichtssprecher Esko Horn auf 563.534 Euro säumigen Arbeitslohn. Der Grund: Jahrelang sei er von Lindenberg wie ein Arbeitnehmer behandelt, aber eben nicht wie einer bezahlt worden.

Dieser Berechnung zugrunde liegt die Annahme, dass Eddy Kante bis zu 16 Stunden täglich für Lindenberg gearbeitet, dafür aber nur rund „1500 bis 1800 Euro“ pro Monat erhalten hat. Kante habe als „selbstständiger Fahrer“ zwar einen Dienstvertrag mit Lindenberg geschlossen. Tatsächlich sei der 54-Jährige aber eine Art „Referent für alles Mögliche“ gewesen und habe damit einen Anspruch auf ein Gehalt von monatlich „mindestens 6500 Euro“, so die Argumentation. Möglicherweise könnten deshalb noch Schadenersatzforderungen wegen vorenthaltener Sozialversicherungsabgaben auf Kante und Lindenberg zukommen, sagte Esko Horn.

Zum Prozessauftakt am Freitag waren weder Eddy Kante noch Udo Lindenberg persönlich erschienen. Lediglich ihre Anwälte vertraten vor dem Vorsitzenden RichterPhilipp Leydeckerdie gegensätzlichen Rechtspositionen ihrer Mandanten. Die Seite von Lindenberg hätte sich zwar zu einer Zahlung von 50.000 Euro bereit erklärt, sagte Sprecher Horn, das aber auch nur „aus alter Verbundenheit“. Kantes Anwalt beharrte auf einer Forderung von mindestens 325.000 Euro. Eine Rolle hätten außerdem Jacken gespielt, die sich im Besitz von Eddy Kante befinden sollen. Nach Angaben von Gerichtssprecher Horn sei Lindenberg bereit, ihm die Jacken für weitere 14.000 Euro abzukaufen. Doch die Fronten scheinen verhärtet zu sein.

Im Herbst 2013 war es zum Zerwürfnis zwischen Kante und Lindenberg gekommen. Schon seit 1980 war Kante, der Lindenberg zu nahezu jedem Termin begleitete, eine Art Mädchen für alles gewesen: Lindenberg musste nur blinzeln, und Kante tat, was zu tun war. Kante gab sich nach außen stets als „Bad Boy“, das Markenzeichen war die Sonnenbrille, neben Lindenberg – und passte damit perfekt zum Image des Panikrockers.

Eddy Kante war 21 Jahre alt, als er erstmals mit Lindenberg sprach. Für den jungen Mann war Lindenberg ein Idol. Er ließ sich sogar den Namen des Musikers auf den Oberarm tätowieren. Kurz nach dem ersten Treffen heuerte er als Leibwächter bei Lindenberg an. Es war der Beginn einer tiefen, innigen Freundschaft. Ob tatsächlich monatlich Geld in Form eines Honorars geflossen ist, wird die Gerichtsverhandlung zeigen.

Eine Art Rente sollten eigentlich die Tantiemen aus dem Verkauf seines autobiografischen Buchs „In meinem Herzen kocht das Blut“ sein. Doch die Veröffentlichung seiner Lebensgeschichte, die ursprünglich im Oktober 2013 in den Buchhandel kommen sollte, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Vorangegangen waren offenbar inhaltliche Differenzen. So soll Lindenberg Passagen zur kriminellen Vergangenheit seines Freundes beanstandet haben. Daraus hatte Kante, der sich früh einer Rockergang angeschlossen hatte, nie ein Geheimnis gemacht.

In der ersten Sitzung am Freitag ließ Richter Leydecker durchblicken, dass er der Klage von Kante keine allzu großen Erfolgschancen einräumt. Lindenbergs Anwalt wollte sich auf Anfrage nicht zum Rechtsstreit äußern. Auf seiner offiziellen Facebook-Seite kommentierte Lindenberg am Sonnabend – mit gewohnt skurriler Wortwahl – den Rechtsstreit: „erst so’n buch, da wollte ich ihn vor sich selber schützen, jetzt diese abstrusen, völlig aus der luft gegriffenen zahlen. kompletter realitätsverlust. ja, der irrflug des eddy kante... ich hoffe, dass er jetzt nicht total abstürzt!“

Weder der Anwalt noch die Sprecherin von Eddy Kante waren für eine Stellungnahme zu erreichen. Das Arbeitsgericht hat den nächsten Verhandlungstag auf den 4. Juni terminiert, es seien noch „viele Details“ zu klären. Dann werden sich Kante und Lindenberg wiedersehen, ob sie wollen oder nicht.