Tanz

Fliegende Füße für ein lässiges Hauptstadt-Publikum

Breakdance als Kunstform – Das neue Spektakel der Flying Steps im Tempodrom

Premierenveranstaltungen bedeuten normalerweise: Damen in langen Roben, Herren in Smoking und ein oftmals recht steifes Posieren auf dem roten Teppich vor den Fotografen. Ein komplett anderes Bild bot sich den Gästen am Freitagabend im Tempodrom. Denn zur Premiere eines Breakdance-Spektakels heißt der Dresscode eher Sneakers, Basecap und Kapuzenpulli. Wenn die Flying Steps zum Auftakt ihrer neuen Show „Flying Illusion“ laden, ist scheinbar alles erlaubt, was lässig ist.

Die Zeiten, in denen sie mit Ghettoblaster und Pappkarton bewaffnet durch die Straßen Berlins zogen, um Passanten auf ihre Tanzkunst aufmerksam zu machen, sind für die Mitglieder der Breakdance-Company „Flying Steps“ schon lange vorbei. Mit ihren Shows füllen sie heute die Hallen weltweit. Ihre letzte Produktion „Flying Bach“ sahen rund 200.000 Zuschauer, nun legen sie mit einer neuen Show nach.

Unter den Premierengästen waren an diesem Abend auch zahlreiche bekannte Berliner. Wohl am besten ins Bild fügte sich Schauspieler Jimi Blue Ochsenknecht ein, der eigentlich immer Turnschuhe und Basecap trägt. „Das liegt nicht an meiner Frisur, sondern das Cap gehört einfach dazu“, sagte der 22-Jährige. Auch mit dem Tanzen habe er es bereits versucht, jedoch schnell festgestellt, dass er für Breakdance nicht geschaffen ist. „Ich habe trotzdem trainiert, mich ordentlich zu bewegen, denn steif auf der zu Bühne stehen – das ist ja auch uncool.“

Eine ähnlich gute Kondition wie die Ausnahmetänzer sprach sich Boxweltmeister Arthur Abraham zu. „Meine Beinarbeit ist zwar auch gut, aber die Jungs sind natürlich wesentlich flexibler“, so der Profisportler, der als einer der wenigen Gäste in Anzug unterwegs war. „Tanzen ist nicht so meins“, gab er zu – wollte sich die Show dennoch nicht entgehen lassen. Einer, der sicher am besten beurteilen konnte, was die Tänzer leisten, war der Startänzer und Choreograf Vladimir Malakhov, der sich ebenfalls unter die Premierengäste mischte.

Ganz besonders hatte sich Moderator Patrice Bouédibéla auf die Premiere gefreut. „Ich bin eng mit den Jungs befreundet – das ist die Wedding-Reinickendorf-Connection“, betonte der Moderator, der sowieso gerade aufgrund seiner Teilnahme bei der Show „Let’s Dance“ im Tanzfieber ist. Für Breakdance habe er jedoch kein Talent, gibt er zu. „Umso beeindruckender ist, was hier geleistet wird.“

Auch Henning Wehland, Sänger der Söhne Mannheims und Mitglied der „The Voice Kids“-Jury ist überzeugt, dass „Flying Illusion“ ein großer Erfolg werden könnte. „Wer hätte damals gedacht, dass klassische Musik und Breakdance zusammen passen“, so der Sänger. „Hier wird Tanz mit Illusion gemischt – das beeindruckt auf eine ganz andere Weise.“

Nicht in Turnschuhen gekommen, aber nicht weniger Hip-Hop-begeistert waren zudem Sängerin Annemarie Eilfeld und Schauspielerin Laura Osswald, die auch über den diesmal schwarzen Premierenteppich gelaufen waren.

Ihnen allen bot die Crew ein großes Tanz-Spektakel: Für „Flying Illusion“ hatte Vartan Bassil, der die Flying Steps im Jahre 1993 mitgründete, elf Tänzer ausgesucht – jeder ein Meister seines Fachs im Bereich des Breakdance: Popping, Locking, House und B-Boying heißen die Spezialgebiete der Tänzer, die dafür sorgten, dass die neue Show mindestens so erfolgreich werden könnte, wie ihr Vorgänger „Flying Bach“, bei dem die Tänzer zu Klängen des klassischen Komponisten ihre Körper verdrehen.

„Unser Ensemble versammelt die besten Tänzer der Welt. Jeder von ihnen kann schon alleine ein Publikum zum Staunen bringen – und wir haben sie alle auf einem Haufen“, so Vartan Bassil. „Natürlich macht der Erfolg von ,Flying Bach’ mich und alle Beteiligten stolz.“ Eines ist für den Choreografen jedoch klar: Man wolle nicht stehen bleiben, sondern immer weiter machen.

Der Auftakt in Berlin wurde mit einer rauschenden Aftershow-Party gefeiert, zu der die Premieren-Gäste in den Club „Prince Charles“ in die Kreuzberger Prinzenstraße geladen waren. Doch allzu lange feierten die Ausnahme-Tänzer nicht, immerhin war für den nächsten Tag eine weitere Show angesetzt. Noch bis zum 24. März ist die Show „Flying Illusion“ im Tempodrom zu Gast, dann geht es für das Ensemble weiter nach Frankfurt, der nächsten Station der Deutschland-Tour. Und vielleicht kann die in Berlin gegründete Breakdance-Crew ja auch mit ihrer neuen Show die ganze Welt begeistern: Mit „Flying Bach“ haben es die Tänzerinnen und Tänzer immerhin geschafft, selbst das Publikum in Shanghai und Chicago zu begeistern.