Jubiläum

Ein stiller Geburtstag für den echten Genießer

Die stille Geburtstagsfeier passt zum bescheidenen Lebensstil von Peter Radunski, von 1991 bis 1999 Berliner Senator erst für Bundesangelegenheiten, dann für Wissenschaft und Kultur.

Allein im Kreise seiner Familie mit Ehefrau Doris, den Söhnen Boris und Marcel, deren Schwiegertöchtern und den beiden Enkeln feierte er am Donnerstag zu Hause am Schlachtensee seinen 70. Geburtstag. Im beruflichen und damit im politischen Leben ist der geborene Berliner mit der unüberhörbaren Berliner Schnauze von der angenehmen Art dagegen bis heute aktiv. Der „Kugelblitz“, wie ihn Freunde seiner körperlichen Fülle bei nicht gerade Gardemaß zu nennen pflegen, hat sich vor allem als Wahlkampfmanager bis heute hohen Respekt erworben. Für den „Spiegel“ war er der „erfolgreichste Wahlkampfmanager, den die CDU je hatte“. Er organisierte Helmut KohlsWahlkämpfe bis 1990, holte für die CDU bei der ersten Europawahl 1979 satte 49,9 Prozent und feierte seinen wohl wichtigsten Triumph 1990 bei der ersten freien Volkskammerwahl der DDR: Statt der prognostizierten zwölf waren es am 18. März schließlich 47,7 Prozent.

Den Niedergang der Berliner CDU (Banken- und Spendenaffäre) musste er nur als Zuschauer erleiden, nachdem der Genießer von Berliner Hausmannskost 2000 als Senior Consultant zur Werbe- und Beratungsagentur „Publicis“ (heute „MLS Germany“) wechselte. Als Homo Politicus ist der Rat des studierten Diplom-Politologen (am Dahlemer Otto-Suhr-Institut) weiter gefragt. Er ist wieder an Beratung und Konzeption des diesjährigen Europa-Wahlkampfs beteiligt und arbeitet weiter als Politikberater. Gerade ist er dabei, seine Erinnerungen aus 50 Jahren Politikgeschäft niederzuschreiben. „In einem eher kleinen Büchlein...“, schränkt er bescheiden ein. Das alles mag auf den ersten Blick nicht so recht zu seinem selbst erklärten Lebensmotto passen: „Lach dir ’nen Ast und setz’ dich druff und baumle mit de Beene.“

Doch wer Peter Radunski privat erlebt, der weiß, dass er auch anders kann – ein lebensfroher stiller Genießer, für den es wahrlich kein Kaviar sein muss, ist er. Aber auch ein blendender Unterhalter, nie um eine gute Geschichte verlegen, über die man sich dann in der Tat ’nen Ast lachen kann.