Musikerin

Von der Ruth aus Lichterfelde zur Miss Platnum Kreuzbergs

„Alle warten auf den großen Erfolg, doch ich schlaf lieber aus“, singt Miss Platnum in „99 Probleme“.

Einem Song, der auf ihrem neuen Album „Glück und Benzin“ vertreten ist, das im März erscheint. Miss Platnum, die eigentlich Ruth Maria Renner heißt, ist nicht neu in der Szene. Seit vielen Jahren macht sie Musik, stand unter anderem mit Seeed auf der Bühne und produzierte mit ihren balkanbeeinflussten Dancehall- und Hip-Hop-Tracks Hits. Zuletzt mit „Lila Wolken“, ein Song, den sie mit zwei Freunden, den Rappern Materia und Yasha, aufnahm und der sie an die Spitze der Charts brachte.

Das neue Album klingt eher elektronisch-melancholisch. An die immer gut gelaunte Balkan-Pop-Queen, die stets auf englisch sang, erinnert nicht mehr viel. Miss Platnum hat sich neu erfunden. Oder, wie es auf ihrer Website geschrieben steht: „Miss Platnum ist tot, es lebe Miss Platnum!“ Ruhiger sei sie geworden, behauptet die Sängerin, innerlich zumindest. Sie wisse nun, wer sie sei und müsse sich nicht mehr hinter einer Kunstfigur verstecken. Etwas weniger Miss Platnum, vielleicht mehr Ruth Maria. Weder Miss Platnum noch Ruth Renner passen in die Schablone des gecasteten Popsternchens, das über Nacht von der Nullnummer zum Chartbreaker mutiert. „Die haben doch eh keine lange Lebensdauer“, sagt Miss Platnum über ihre Kolleginnen, „wer kann sich denn noch daran erinnern, wer vor ein paar Jahren den ‚Superstar‘ gewonnen hat? Letztendlich zählt dann doch das Können.“ Bei Dieter Bohlen hätte die 33-jährige zumindest keine Chance gehabt: Sie sei kein zierliches Elfchen, sondern eine gestandene Frau ohne Modelmaße. „Iss mal mehr Salat“ zitiert sie in „99 Probleme“ ihre Kritiker, aber diese seien ihr „egal“. Auch von der Idee, es einigen ihrer männlichen Kollegen aus dem Hip-Hop-Bereich gleichzutun und einen Skandal zu inszenieren, um in die Schlagzeilen zu geraten, sei sie längst abgekommen. Miss Platnum – schläft lieber aus.