Mittendrin

Neue Leute, neue Töne

Florian Kain über politisches Leben abseits der Gremien

Das hing mit dem 2013 abgetretenen Vorsitzenden Josef Schlarmann zusammen. Eigentlich ein kluger Mann, hatte der Jurist aus Lohne fast nie etwas Besseres zu tun, als in drastischen Worten Parteichefin Angela Merkel anzugreifen. Das sicherte ihm zwar regelmäßig viel Aufmerksamkeit (was auch der Zweck war), führte aber zu seiner innerparteilichen Isolierung. Das jedoch schien Schlarmann egal zu sein. Er ergötzte sich an den Schlagzeilen, die er in schöner Regelmäßigkeit provozierte, auch wenn er der MIT damit einen Bärendienst erwies. Denn auch das Ansehen dieser bedeutenden Vereinigung mit ihren immerhin 40.000 Mitgliedern litt dadurch. In der MIT-Zentrale muss die Atmosphäre unterdessen etwas angespannt gewesen sein: Die Pressesprecher gaben sich in der Ära, in der Hans-Dieter Lehnen als Hauptgeschäftsführer das Zepter schwang, an der Eingangstür die Klinke in die Hand – derart schnell waren sie wieder draußen.

Der fällige Neustart begann damit, dass im Oktober Carsten Linnemann zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Der dynamische 36-Jährige war mal der Assistent des früheren Chefökonomen der Deutschen Bank, Norbert Walter, und setzte sich überraschend klar gegen den Ex-Grünen Oswald Metzger durch, der nach Pensionär Schlarmann der nächste Exzentriker an der MIT-Spitze gewesen wäre. Linnemann steht trotz seines vergleichsweise jungen Alters für einen souveräneren Stil. Zwar hat auch er manches am wirtschaftspolitischen Kurs seiner Partei auszusetzen, aber der Ton macht die Musik.

In dieser Woche nun gelang Linnemann ein kleiner Coup, der im Regierungsviertel Beachtung fand. Er gab bekannt, wer auf den Bald-Ruheständler Lehnen folgt: Thorsten Alsleben . Der langjährige, durch TV-Präsenz bekannte Ex-ZDF-Hauptstadtkorrespondent war seit 2010 Berliner Repräsentant der Personalberatung Kienbaum. Auch wenn er dort mit einem „stark weinenden Auge“ geht, will der Kommunikationsprofi jetzt wieder einer Leidenschaft nachgehen – der Politik. An der Charitéstraße brechen bessere Zeiten an.