Dinner

Im „feucht-fröhlichen Rahmen“

Die britische Handelskammer lädt zur 3. Internationalen Kohlwanderung mit Bollerwagen und Dinner im „Maritim“

Eine Gruppe von Leuten, die mit Bollerwagen durch einen Park laufen, ab und zu die breiten Wege für Fahrradfahrer blockieren und an nahezu jeder Ecke einen Schnaps trinken – und am Ende des Tages den Kohlkönig krönen. Ein seltsames Bild bot sich den Joggern und Spaziergängern am Donnerstagabend im Tiergarten. Mit Bremer Traditionen scheinen es die Berliner nicht so zu haben – außer jene, die sich an diesem Abend der 3. Internationalen Kohlfahrt angeschlossen hatten.

Das „British Chamber of Commerce in Germany“ (BCCG) hatte mehr als 100 Teilnehmer zu der Veranstaltung geladen, bei der erst traditionell mit Bollerwagen spazieren gegangen wird, bevor man sich dann zum großen Grünkohl-Essen inklusive Königskrönung ins Maritim Hotel in der Stauffenbergstraße einfindet.

Vor drei Jahren hatten sich einige Ur-Bremer und Niedersachsen zufällig in der britischen Handelskammer getroffen. Sie kamen auf die Idee, die Tradition aus ihrer Heimat in die Hauptstadt zu importieren. Schirmherr der Veranstaltung ist der britische Botschafter Simon McDonald, ein Traditionsliebhaber, der jedoch in diesem Jahr nur zum Essen, nicht zum Spaziergang gekommen war. „Ich wäre gern mitgegangen, aber die Außenministerin ist in Berlin. Das hatte Priorität“, sagte der Botschafter. „Ich muss schon sagen, dass Grünkohl einen sehr speziellen Geschmack hat. Aber ab und zu finde ich das sehr lecker – und in Großbritannien gibt es sowas nicht.“ Gerne ist er der Einladung von Organisatorin Ilka Hartmann, der Vorsitzenden des BCCG, und ein „Exil-Nordlicht“, wie sie sich selbst nennt, nachgekommen.

Und so hatte sie auch in diesem Jahr wieder mehr als 100 Teilnehmer zur 3. Internationalen Kohlfahrt geladen, zu der zahlreiche weitere Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zugesagt hatten. Gekommen waren unter anderen Hoppegarten-Chef Gerhard Schöningh und Tini Gräfin Rothkirch. „Einmal im Jahr finde ich Grünkohl super“, sagt die Society-Lady, die jedoch ein wenig Zeit brauchte, sich mit den kleinen Schnapsgläsern, die alle an Bändern um den Hals tragen sollten, anzufreunden.

Zeitweilig zog sie den Bollerwagen mit Bier und Korn, der traditionell bei der Bremer Eiswette getrunken wird, mit Christine Nkulikiyinka, Botschafterin aus Ruanda, und ihrer Kollegin aus Mauritius, Sarojini Seeneevassen-Frers. „Statt Korn gibt es bei uns eher Rum nach dem Essen“, so Seeneevassen-Frers. „Eine solche Tradition wie hier haben wir nicht. Ich freue mich, schon zum zweiten Mal dabei sein zu dürfen.“ Mit nationaltypischen Traditionen mithalten könne jedoch der isländische Botschafter Gunnar Gunnarson, erklärt er. „Bei uns gäbe es jetzt Haifisch und einen Kümmel, der den Namen ,Schwarzer Tod‘ trägt.“

Freuen durften sich die Gäste später auf Grünkohl mit Pinkel, ganz nach Bremer Tradition, wie Hoteldirektor Bernhard Dohne garantiert. „Unser Küchendirektor Reinhold Schuwer ist ein echter Bremer.“

Am Ende des Abends schließlich wurde Oliver Frese, Vorstand der deutschen Messe AG, feierlich zum Kohlkönig gekrönt. Und weil die Cebit in Hannover, für die Frese verantwortlich ist, diesmal Großbritannien als Partnerland hat, passe das besonders gut. „Hier bei der Kohlfahrt treffen sich Entscheider zum Netzwerken", sagt Ilka Hartmann. „Wenn auch in einem feucht-fröhlichen Rahmen.“