Stilfrage

Von Frauen mit Katzenkotzeblusen

Cordula Schmitz über modische Gründe und Sünde

Der perfide Vorfrühlings-Widerling hat sich in Berlin breitgemacht. Plötzlich sind es an einigen Tagen mit einem Mal sieben bis 13 Grad. Perfide ist dieses Vorfrühlings-Ding besonders, weil es einem vorgaukelt, dass Schlimmste am Winter sei schon vorbei. Dabei kann man hier locker noch an Ostern im Schnee sitzen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: Sonne kommt, volle Klamottenkraft voraus. Überall auf den Bürgersteigen schwanken plötzlich die Menschen wie lichtbesoffene Taumelkäfer an die Schaufenster, magisch angezogen von knallbunten Farben der neuen Frühlingsklamotten. Der Impuls, sich endlich von Mänteln, Stiefeln und Pullovern zu befreien, ist riesig. Stattdessen wollen alle luftige Kleider, keine Socken, zarte Blusen. Wacht man tatsächlich aus seinem Winterschlaf auf und kann wieder einigermaßen gerade gucken, drohen unschöne Überraschungen. Die Farbkombi, die man im Rausch der ersten Sonnenstrahlen erstanden hat, stellt sich dann schnell als grausame Hochzeit zwischen einer Laura-Ashley-Tapete und einem Textmarker heraus. Auch ich bin vor solchen „Ja, der Frühling kommt“-Kaufanfällen nicht gefeit. Unlängst erwischte ich mich, wie ich voller blumiger Gedanken eine Einkaufstraße entlangging. Überall kräftiges Pink, zartes Lila, duftes Grün. Mein Blick blieb an einer blauen Bluse mit einem Muster in Nude-Tönen hängen. Zum Glück hatte ich eine Freundin dabei. Sie ist gerade Mutter geworden, geschützt gegen den Frühlingskram, und hat ganz andere Sorgen. Ihr Kommentar: „Die Bluse sieht aus, als wenn eine Katze zu viel Trockenfutter gefressen hat und auf ein Hemd gekotzt hat.“ Recht hatte sie. Und damit wäre ich dann herumgelaufen. Und alle hätten gesagt: Da kommt die Frau mit der Katzenkotzebluse. Mein Rat also: Warten Sie noch mit dem Kauf von Frühjahrssachen. Oder nehmen Sie eine schlecht gelaunte, übermüdete Freundin mit. Und, ich kann es gar nicht oft genug sagen, am liebsten würde ich es schreien: Lassen Sie die Finger bitte, bitte von der Farbe Orange. Ich weiß auch nicht, welche Mafia von durchgedrehten Stoffhändlern die verwirrten Designer immer wieder zwingt, diese Farbe zu wählen. Ich hab da so eine Vermutung. Aber das erzähle ich ein anderes Mal.