Film

Der Antritt zum Rücktritt

Der Sat.1-Film über die Wulff-Affäre feiert Premiere im Kino International

Der 17. Februar 2012 war kein guter Tag für Christian Wulff. Zwei Monate, nachdem die „Bild“-Zeitung berichtet hatte, der CDU-Politiker habe in seiner Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen falsche Angaben bezüglich eines Privatkredits zur Finanzierung seines Hauses gemacht, trat der damalige Bundespräsident vor die Presse und gab seinen Rücktritt bekannt. Dem vorangegangen waren Wulffs vermeintlicher Versuch, die entsprechende Berichterstattung durch einen Anruf bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann zu verhindern und weitere Vorwürfe, Wulff habe sich als Ministerpräsident der Bestechlichkeit schuldig gemacht.

Der 17. Februar 2014 hingegen war ein guter Tag für Thomas Schadt, Nico Hofmann, Joachim Kosack und Benjamin Benedict. Zwei Jahre nach der Wulff-Affäre haben der Regisseur und die drei Produzenten die letzten 68 Amtstage des zehnten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland verfilmt. Am Montagabend feierte „Der Rücktritt“ seine Premiere im Kino International an der Karl-Marx-Allee. In den Hauptrollen: Kai Wiesinger als Christian Wulff und Anja Kling als dessen Frau Bettina. Der Film basiert teilweise auf dem Buch „Affäre Wulff“ von den Journalisten Martin Heidemannsund Nikolaus Harbusch. „75 Prozent sind fiktionales, der Rest dokumentarisches Material“, so Nico Hofmann.

Für die Hauptdarsteller bot diese Herangehensweise trotz der noch sehr präsenten Vorbilder genügend Raum für künstlerische Freiheit. „Die Rolle war natürlich eine große Herausforderung, weil sie nicht fiktiv ist“, sagte Kling. „Ich hätte Bettina Wulff vorher gar nicht treffen wollen, weil ich der Figur sonst nicht mehr wertfrei hätte begegnen können.“ Gesteigertes Mitleid habe sie durch den Film nicht für das ehemalige Bundespräsidentenpaar entwickelt. „Wir wollten zeigen, wie dieses Paar mit dem großen Druck umgegangen ist“, sagte die Schauspielerin.

Hofmann betonte, er habe den Figuren vor allem mit Würde begegnen wollen: „Ich glaube nicht, dass Christian Wulff Mitleid für sich beansprucht. Ich finde, er schlägt sich im Prozess bisher sehr gut.“ Vor den Dreharbeiten habe er sich deshalb auch um Kontakt zu dem mittlerweile getrennt lebenden Ehepaar Wulff bemüht. „Sie wollten sich uns gegenüber aber nicht äußern“, sagte er.

Interesse an der Verfilmung des Falls Edathy hat der Erfolgsproduzent, der bereits die Guttenberg-Affäre für Sat.1 ins Fernsehen gebracht hat, bisher nicht. „Es ist aber doch sehr erstaunlich, dass die deutsche Politik alle paar Monate einen neuen Filmstoff liefert“, so Hofmann.

„Der Rücktritt“: 25. Februar, 20.15 Uhr, Sat.1