Märchen

Zum Schluss noch ein bisschen Fantasy

Die dritte Babelsberg-Produktion: „La belle et la bête“ im Digitalrausch

Es war einmal ein wunderschönes französisches Märchen, das von der jüngsten Tochter eines finanziell ruinierten Kaufmannes und ihrer Liebe zu einem hässlichen Ungeheuer erzählt. Unzählige Adaptionen inspirierte es, auf der Leinwand und der Bühne, mal als Zeichentrick, mal als Musical. Die schönste unter ihnen zauberte Jean Cocteau 1946 auf Zelluloid, ein poetisches Meisterwerk, das als Fabel von äußerlicher Erscheinung und innerer Schönheit, von Leiden und Mitleid handelt und mit seinen fantastischen Bildern Generationen von Zuschauern bis heute in seinen Bann zieht.

Doch dann kam ein Blockbusterregisseur aus Frankreich, nahm sich des Stoffes an. Und wie er die Geschichte zu einem bombastischen Special-Effekte-Kitsch verwurstete, sorgte für großes Schaudern. Christophe Gans, den seit „Der Pakt der Wölfe“ der Ruf begleitet, ein Meister des Fantasykinos zu sein, erkor die bezaubernde junge Kinogöttin Léa Seydoux zu seiner Schönen und den charismatischen Vincent Cassell zum Biest. Gemeinsam begaben sie sich ins ferne Babelsberg, wo sie ein großes Studio und viele Fachkräfte aus allen Bereichen erwartete. Ausgerüstet mit einem Sack voll Geld und allerneuesten technischen Mitteln, gingen dann allerdings die Pferde mit Gans durch. Berauscht von den Möglichkeiten der digitalen Nachbearbeitungen, hält er Seydoux als schöne Tochter, die sich anstelle ihres Vaters dem Biest opfern will, in der virtuellen Welt eines verwunschenen Schloss voll merkwürdig quiekender Fantasyhündchen und einem schlecht animierten Rehkitz gefangen. Ohne je die gegenseitige Anziehung des ungleichen Paars glaubwürdig zu machen. Anstelle einer eigenen Interpretation oder schlicht der Logik der Geschichte interessiert er sich einzig für Oberflächenreize, denen aber in ihrer digitalen Künstlichkeit jeder Charme fehlen. Ende gut, alles tot. Und wenn es nicht gestorben ist, dann möge das Märchen in schönerer Erinnerung weiterleben als mit diesem zahnlosen Biest von einem Film.

Termine Heute, 9.30 u. 22 Uhr, HdBF; 12.30 Uhr, Friedrichstadt-Palast;16.2., 15 Uhr, Friedrichstadt-Palast