Film Gateway

Um alte Filme zu retten, rückt Europa zusammen

Digitalisierungsprojekt im Filmhaus vorgestellt

Gedenktage haben manchmal etwas Gutes. Zum 100. Jahrestags des Kriegsausbruchs wurde am Donnerstag in der Deutschen Kinemathek das Projekt European Film Gateway 1914 vorgestellt. Das sind 650 Stunden digitalisiertes Filmmaterial, fast 2500 Filme und 5600 filmbegleitende Dokumente, zusammengetragen von 26 internationalen Partnern, darunter 21 europäische Filmarchive. Eine immense Arbeit, ein „Wunder der Zusammenarbeit“, nennt es Claudia Dillmann, die Direktorin des Deutschen Filminstituts. Das Ergebnis ist jetzt im Internet für alle zugänglich.

Wochenschauen, Dokumentar- und Spielfilme sowie Propaganda, und das nicht nur aus nationaler Perspektive, sondern aus multinationaler. Aus dieser Zeit sind überhaupt nur noch geschätzte 20 Prozent aller Filme erhalten. Ein erheblicher Teil davon ist nun digital verfügbar. Bei der Präsentation wurde ein 20-minütiger Zusammenschnitt gezeigt. Ein englisches Bataillon an der Front, kartenspielende Soldaten in den Schützengräben, die zerbombte Kathedrale von Pervijze, Flugübungen, ein Truppenbesuch von König Georg V. und Frauen, die in einer Fabrik Granaten herstellen.

Fast alle Aufnahmen sind rostbraun, dieser warme Farbton, der nicht zu den Bildern passen will. 100 Jahre alte Filme, die sind im Original spröde, geschrumpft, mehrfach geklebt. Auch technisch ist dieses Projekt eine harte Arbeit. Viele der Filme sind Umkopierungen, erklärt Rainer Rother, der Künstlerische Direktor der Deutschen Kinemathek. Die Originale existieren längst nicht mehr. Von den 35-mm-Filmen wurden damals etliche Kopien gemacht, etwa für Wochenschauen. Auch von Raubkopien spricht er, die sich damals wie heute durch eine besonders schlechte Qualität auszeichnen.

Das European Film Gateway ist glücklich darüber, nicht nur Material von der Front zeigen zu können, sondern auch von der Zerstörung in den Städten, von den Menschen und Geschehnissen abseits der Schützengräben. Bilder, die in der Erinnerung nicht verankert sind. Claudia Dillmann sagt, dass sie sich auch die Frage stellen, wie viele dieser Aufnahmen inszeniert sind, was damit beabsichtigt war, wo sie entstanden. „Von den Inhalten her,“ sagt sie, „sind da noch viele Entdeckungen zu machen. Das wird uns noch Jahre beschäftigen.“ Es ist großartig, dass jetzt jeder damit anfangen kann, jederzeit. Und zwar hier: www.europeanfilmgateway.eu