Wettbewerb

Wie ein kleiner Junge das Leben von Asylanten erlebt

Macondo Macondo ist der Name einer Flüchtlingssiedlung am Rande Wiens. 3000 Bewohner aus 22 Ländern leben dort, die meisten aus Tschetschenien, Somalia und Afghanistan. Ein abgeschotteter Mikrokosmos, den die Regisseurin Sudabeh Mortezai mit erstaunlicher Nähe eingefangen hat. Es ist ihrer erster Spielfilm, zuvor drehte sie Dokumentarfilme und so ist „Macondo“ eine Mischung aus beiden Gattungen geworden. Ausschließlich mit der Handkamera gedreht, verfolgt sie konsequent die Perspektive des 11-jährigen Tschetschenen Ramasan. Er lebt mit seiner Mutter und seinen beiden jüngeren Schwestern in Macondo, er kauft ein, übersetzt bei Behördengängen, steckt der Mutter die Haare unters Kopftuch, er ist der einzige Mann in der Familie. Sein Vater ist ein toter Kriegsheld, ein Foto an der Wand. Als in der Siedlung plötzlich ein Freund des Vaters auftaucht, empfindet Ramasan ihn bald als Rivalen. „Macondo“ ist kein Flüchtlingsdrama, es ist eine Vater-Sohn-Geschichte, eine Geschichte über Männerbilder, Vaterfiguren und das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen. Ein intimer Film, der in seiner Authentizität beeindruckend ist. Fast ausschließlich in der Siedlung gedreht, überzeugt er mit Bildern des alltäglichen Lebens.

Sudabeh Mortezai war schon lange vor Dreharbeiten in Macondo und gab dort Filmworkshops. Die Bewohner waren vom ersten Gedanken an Teil des Films. Auch ihre Darsteller fand sie dor. Es war ihr wichtig, dass die Schauspieler ähnliche Lebenserfahrungen habe. Der junge Darsteller Ramasan Minkailov, der bei der Pressekonferenz begeistert empfangen wird, sagt dann auch, die Rolle sei für ihn nicht schwer gewesen, es sei sein eigenes Leben. Mortezai hat sich auf diesen Ort und ihre Menschen eingelassen, wie Regisseure es nur selten tun. Nach der Berlinale wird es eine große Premiere dort geben.

Termine Heute, 9.30 Uhr, Zoo Palast; 16 Uhr, Haus der Berliner Festspiele; 18.30 Uhr, Friedrichstadtpalast; 16.2., 22.30 Uhr, International