Wettbewerb

Tagsüber backen, nachts morden

Stratos: Wenn man die Berlinale-Angewohnheit in Betracht zieht, bei der Bärenvergabe ein besonderes Augenmerk auf kleinere Länder zu richten, dann haben wir einen ersten Bären-Kandidaten: „Stratos“ aus Griechenland.

Yannos Economides’ Film handelt von den Problemen des bankrotten Landes, aber er tut das auf höchst ungewöhnliche Weise, und zwar aus der Perspektive eines Auftragskillers. Stratos bringt für seinen Auftraggeber die Leute um, entledigt sich der Pistole, kassiert einen braunen Umschlag Euronoten. Das war’s. Fragen werden keine gestellt. Stratos redet fast nichts, und das ist der größte Coup des Films: In seiner „Freizeit“ verkehrt er ganz normal mit Bekannten – und die labern ihn voll, und jeder steht für einen Aspekt der Misere: Hochmut, Korruption, Geldgier und noch weit Schlimmeres. So allmählich stellt sich der Killer als einzige moralische Institution in einer bis in den familiären Kern verrotteten Gesellschaft heraus, sieht man von seinen Verstößen gegen das fünfte Gebot ab. Vernichtender ist der Zustand eines Staates kaum je im Kino gezeigt werden. Sollte Economides einen Bären nach Athen bringen, täte das Land besser daran, nicht zu sehr zu feiern.

Termine Heute, 12 Uhr Friedrichstadt-Palast, 12 Uhr; 16.2., 21.30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele.