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Die Poesie eines Unentschiedens

Al doilea loc: Warum sollte man sich ein Fußballspiel von 1988 ansehen, bei dem Steaua und Dinamo Bukarest in schwerem Schneetreiben aufeinander treffen, sehr wenig passiert und es am Ende immer noch 0:0 steht?

Vielleicht deswegen, weil Corneliu Porumboiu einer der wichtigsten Vertreter des jungen rumänischen Kinos, dieses Experiment gewagt hat, dessen Vater damals Schiedsrichter des Spiels war. Gemeinsam schauen Vater und Sohn das Match, berichtet der Vater von der Schwierigkeit, sich nicht kaufen zu lassen, was zusätzlich dadurch erschwert wurde, dass Steaua der Lieblingsverein des Diktators Nicolae Ceausescu war. Diese gesellschaftlichen Implikationen werden von Porumboiu beiläufig angedeutet, die Symbolik, die Metaphorik des Spiels, ein Jahr vor Ende der Diktatur, nicht unnötig verklärt. Wenn der Sohn von der Poesie eines Matches im Schneetreiben schwärmt, antwortet der Vater: „Es gibt hier keine Poesie, was soll poetisch an einem Spiel im Schnee sein? Kein Mensch interessiert sich für dieses Spiel.“ Doch gerade die Banalität des Ereignisses, das Unspektakuläre, macht Porumboiu Film zu einem so prägnanten Blick in eine Zeit, kurz vor der Revolution.

Termine Cinemaxx 4, 13.2., 19.30 Uhr; Arsenal 1, 14.2., 12.30 Uhr; Cubix, 16.2., 15 Uhr