Wettbewerb

Hier passiert nichts, aber das sehr sinnlich

Historia del miedo: Eine Stadt in Südamerika, zerfranst, mit jeder Menge dreckigen Grüns zwischen den Gated Communities – Siedlungen mit weitläufigen Grundstücken für die Reichen, von privaten Sicherheitsdiensten bewacht.

Das ist der Schauplatz von Benjamin Naishtats Wettbewerbsfilm „Historia del Miedo“. In 78 Minuten passiert genau das, was der von verängstigten Jugendlichen einmal gerufene Wächter in einer Villa vorfindet, in der der Alarm losgegangen ist: nichts. Der Sohn einer Haushälterin mit Kreislaufproblemen starrt ins Leere, er spricht nur das Nötigste, fährt Moped, betrügt seine Freundin. Die Kinder der Wohlhabenden werfen Knaller in den Pool. Vor dem Zaun, in dem plötzlich ein Loch ist, verbrennt jemand. Müll. Auf dem Weg zur Dinnerparty steht ein nackter Mann an der Mautstelle und schreit. Skizzen wie Halluzinationen, von der allgegenwärtigen Hitze ausgelöst. Über allem liegt ein ständiges Surren, ein Sinn näher kommender Gefahr wie im genialen Gruselfilm „Cloverfield“. Der Horror bleibt – zumindest die längste Zeit – im Schatten. Wenn man aber ein Phantombild des Schreckens zeichnen sollte, der „Historia dem miedo“ heimsucht – es sähe aus wie die Armut.

Termine Heute, 13 Uhr, Zoo Palast; 15 Uhr, Friedrichstadtpalast; 19 Uhr Haus der Berliner Festspiele