Panorama

Das bürgerliche Privatleben des Heinrich Himmler

Der Anständige: Auch Massenmörder können sich moralisch im Recht fühlen.

Heinrich Himmler, als „Reichsführer“ oberster Chef von Hitlers Mordorganisation SS, hielt große Stücke auf die eigene „Anständigkeit“. Ins Poesiealbum seiner knapp zwölfjährigen Tochter Gudrun schrieb er im Mai 1941: „Man muss im Leben immer anständig und tapfer sein und gütig. Dein Pappi“. Himmlers Selbstverständnis der vermeintlichen „Anständigkeit“ zieht sich als roter Faden durch den Dokumentarfilm von Vanessa Lapa. Die ehemalige Redakteurin des israelischen Fernsehens hat auf Grundlage des lange verschollenen Bestandes seiner privaten Briefe das private Leben von Himmler rekonstruiert. Der Film ist eine Collage aus bekannten und unbekannten, meist von dem Berliner Filmrechercheur Hermann Pölking gefundenen bewegten Originalbildern, aus Privatfotos und abgefilmten Briefen; die Texte dazu stammen aus dem derzeit in Tel Aviv aufbewahrten Unterlagen. Gesprochen werden sie von dem österreichischen Schauspieler Tobias Moretti und seiner Kollegin Sophie Rois, außerdem Morettis Kindern Antonia und Lenz.

Die Anlage des Films erinnert an „Das Goebbels-Experiment“ von Lutz Hachmeister und Michael Kloft, und wie diese ist „Der Anständige“ ein Wagnis. Fast anderthalb Stunden Himmler-Originalton, ohne Erläuterungen aus dem Off und ohne einordnende Experten-Interviews sind eine intellektuelle Zumutung. Man muss sich einlassen auf diese Zugangsweise, statt reflexhaft „Ist doch alles bekannt“ zu murmeln – erst dann erschließt sich die wahre Monstrosität der „nationalsozialistischen Moral“.

Vanessa Lapa zeigt, dass Himmler eben kein geistesgestörter Wahnsinniger war, auch keine gespaltene Persönlichkeit. Seine mörderische Tätigkeit und sein scheinbar recht normales bürgerliches Privatleben mit Landwirtschaft, Ehefrau, Tochter und Geliebter waren auch nicht zwei Seiten derselben Medaille.

Termine Heute, 12 Uhr, Cinestar 7;12.2., 17.30 Uhr, Cubix 7; 14.2., 17 Uhr, Cinestar 7