Filmvorführung

Und alle reden drüber

Shia LaBeouf trug bei der „Nymphomaniac“-Premiere Papiertüte zum Smoking

Ist das noch Kunst oder schon Pornografie? Diese Frage treibt die Filmwelt um, seit im vergangenen Jahr erste Details zu Lars von Triers neuem Film „Nymphomaniac“ bekannt geworden waren. Die Schauspieler hätten vor der Kamera echten Sex gehabt und zeigten auf den Plakaten ihr wahres Orgasmus-Gesicht, so hieß es. Der dänische Regisseur konnte sich also der ungeteilten Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sicher sein, als er sein jüngstes Werk am Sonntagabend in Berlin endlich zum ersten Mal präsentierte. Denn bis dato hatten den vermeintlichen Skandal-Film nur ein paar ausgewählte Journalisten gesehen. Nach der Premiere im Berlinale-Palast konnten sich nun aber auch die Kinobesucher, darunter Schauspielerin Martina Gedeck und ihr Kollege Ulrich Matthes sowie Regisseur Marco Kreuzpaintner, ein Urteil erlauben.

Dass er gerne provoziert, hatte der dänische Filmemacher bereits beim Photocall am Nachmittag wieder einmal unter Beweis gestellt. Dort posierte er – in Anspielung auf seinen Ausschluss bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes nach einer Hitler-Äußerung 2011 – in einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Persona non Grata“ und dem Logo des Festivals. Die anschließende Pressekonferenz überließ von Trier seinen Schauspielern Stellan Skarsgård, Christian Slater, Uma Thurman und Shia LaBeouf. Letzterer hatte aber offenbar auch keine Lust, sich über die expliziten Sex-Szenen des Films zu unterhalten. Nachdem der US-Star bereits den Photocall nur missmutig und mit einem tief ins Gesicht gezogenen Basecap über sich hatte ergehen lassen, verließ er die Pressekonferenz nach der entsprechenden Frage eines Journalisten nach nur fünf Minuten. Für den Auftritt des Abends sorgte LaBeouf auch bei der Premiere, indem er seinen Missmut gegenüber der Presse durch eine Papiertüte auf dem Kopf demonstrierte. Darauf war zu lesen: „I am not famous anymore“ – „Ich bin nicht mehr berühmt“. Sein Gesicht bekamen so aber auch die wartenden Fans nicht zu Gesicht.

Hauptdarstellerin Charlotte Gainsbourg, die sich eigentlich auch zur Premiere angekündigt hatte, war kurzfristig lieber nach Paris geflogen. „Charlotte wäre sehr gerne hier gewesen, aber sie hat gerade einen Film in Kanada gedreht und deshalb hatte ihre Familie jetzt Priorität“, erklärte der Moderator der Pressekonferenz.

Dafür kam Stacy Martin, die in „Nymphomaniac“ Gainsbourgs jüngeres Alter Ego spielt. „Das ist mein erster Film. Lars hat mir sehr viel Vertrauen geschenkt“, sagte die Nachwuchsschauspielerin. Mit der Freizügigkeit vor der Kamera habe sie keine Probleme gehabt. „Die Sex-Szenen gehören einfach zu dem Film dazu“, so die 22-Jährige. Schauspielerkollegin Uma Thurman freute sich ganz besonders, auf der Berlinale zu sein. „Ihr könnt stolz sein, eines der ältesten und anspruchsvollsten Filmfestivals in eurer Stadt zu haben“, sagte sie den Berlinern.

So gesprächig wie noch am Nachmittag verlief es bei der abendlichen Premiere dann allerdings leider nicht mehr. Zwar ohne Papiertüte auf dem Kopf, aber auch ohne ein Wort liefen die Schauspieler und ihr Regisseur nur einige Minuten vor Filmbeginn über den roten Teppich am Potsdamer Platz. Ein paar wenige Autogramme, dann war Schluss.

Mit George Clooney wäre das wohl nicht passiert.