Mittendrin

Mister und Miss Berlinale: Monika Grütters ist die Neue

Florian Kain über das politische Geschehen bei den Filmfestspielen

Er galt neben Festivalleiter Dieter Kosslick gefühlt als der zweite „Mister Berlinale“: Für Ex-Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), der ein großer Filmfan ist, waren die Festspiele im Februar immer das Ereignis des Jahres.

Kein Wunder. Allein schon, weil die Grundfinanzierung der Berlinale komplett aus der Bundeskasse kommt, war Kosslick stets bemüht, seinen „Chef“ mit kleinen Aufmerksamkeiten zu erfreuen. Wer hat etwas dagegen, in der ersten Reihe gleich neben Meryl Streep platziert zu werden?

In diesem Jahr nun, nach dem Wechsel im Amt, werden die Filmleute ein Auge darauf haben, ob sich Neumanns Nachfolgerin Monika Grütters (CDU) ähnlich begeistert ins Festivalgetümmel stürzt. Man tritt der Berliner Professorin nicht zu nah mit der Feststellung, dass ihr Musik und Theater mindestens genauso wichtig sind wie der Film. Allerdings ist Monika Grütters’ Berlinale-Terminkalender auch nicht gerade leer. Im Gegenteil. An diesem Freitag begibt sie sich gleich morgens zum European Film Market in den Martin-Gropius-Bau, danach geht es zur Uraufführung von „Baal“ von Volker Schlöndorff . Dann kommen die ganzen Reden: beim Empfang der Deutschen Filmakademie, bei der Verleihung des Deutschen Drehbuchpreises, auf Veranstaltungen des ZDF und der Filmförderungsanstalt (FFA). Auch beim traditionellen filmpolitischen Empfang von JU-Chef Philipp Mißfelder im Haus Huth gibt sie sich die Ehre. Ins Kino gehen wird die neue Kulturstaatsministerin auch für die deutschen Wettbewerbsbeiträge „Kreuzweg“ und „Zwischen den Welten“ sowie für die restaurierte Fassung vom „Cabinet des Dr. Caligari“. Und Dieter Kosslick wäre sicher mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er Monika Grütters am Sonnabend bei der Premiere von „The Monuments Men“ unnötig viele Zentimeter entfernt von George Clooney und Matt Damon ihren Sitz zuweisen würde. Es hat keiner behauptet, dass es sich schlecht lebt als Kulturstaatsministerin. Und Bernd Neumann? Dem 72-Jährigen geht es nach seinem Herzinfarkt im Oktober wieder besser. Kommende Woche wird er im Rahmen der Berlinale zum neuen Präsidenten der FFA gewählt. Es gäbe keinen Besseren.