Mittendrin

Odyssee einer Sprecherin

Florian Kain über Politisches abseits der Gremien

Wussten Sie schon, dass Petra Diroll mal wieder einen neuen Job hat? Die ambitionierte Ex-ARD-Journalistin, die zuletzt als Sprecherin bei WirtschaftssenatorinCornelia Yzer im Einsatz war, heuert am Montag offiziell beim neuen Bundesentwicklungsminister Gerd Müller an. Wieder als Sprecherin natürlich.

Wer Dirolls Weg kennt, dem muss das wie das Ende einer Odyssee vorkommen. Selbige begann an jenem denkwürdigen Montagnachmittag im Mai 2010, als der damalige Bundespräsident Horst Köhler„mit sofortiger Wirkung“ zurücktrat. Für Diroll kam das gelinde gesagt zur Unzeit. Denn gerade mal einen Tag später hätte sie als Köhlers neue Sprecherin anfangen sollen. Damals galt sie dann wahlweise als „das erste Opfer“ dieses Aktes oder auch als „Pechvogel des Monats“. Dabei schien sich ihr Pech sogar in Grenzen zu halten. Denn Köhlers Nachfolger Christian Wulff übernahm sie schließlich als stellvertretende Sprecherin, zumindest das. Dann aber brach die Schnäppchen-Affäre über den Präsidenten herein, auf deren Höhepunkt Wulff seinen langjährigen Vertrauten Olaf Glaeseker als Sprecher feuerte. Details dazu werden gerade vor dem Landgericht Hannover ausgebreitet. Diroll, die zu Wulff in der Zwischenzeit ein gutes Verhältnis aufgebaut hatte, mutierte daraufhin dann doch noch kommissarisch zum ersten Sprachrohr des Präsidenten. Freilich auch dies zum denkbar unglücklichsten Zeitpunkt – Bobbycar, Oktoberfest und das berühmte Hotel auf auf Sylt ließen grüßen.

Der Rest ist Geschichte, und die jetzt 47-Jährige landete also bei Cornelia Yzer. Für eine wie sie, die auch jahrelang im Vorstand der Bundespressekonferenz war und wohl unbedingt in die erste Reihe wollte, war das kein Fortschritt. Aber viel besser als nichts. So verwundert es nicht, dass Diroll jetzt einschlug, als Minister Müller sein Interesse anmeldete. Ihre Tätigkeit für Christian Wulff, dessen Kommunikationsstrategie im Rückblick als sein größter Fehler gilt, scheint den CSU-Politiker nicht abgeschreckt zu haben. Im Film zur Affäre, den Sat.1 am 25. Februar zeigt, wird ihre Rolle von Valerie Niehaus verkörpert. Petra Diroll hat anwaltlich bei der Produktionsfirma und dem Sender durchgesetzt, dass ihr Name im Film ein anderer sein wird.