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Auf zu neuen Ufern – mit Vollgas

Nach 17 erfolgreichen Jahren als Direktor der Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin übergibt Walter Müller an Jürgen Herrmann

Zu seinem Abschied hatte er sich vom Filmorchester Babelsberg „The Entertainer“ gewünscht. „Eines seiner Lieblingslieder“, sagte Moderatorin Tanja Bülter am gestrigen Vormittag den etwa 500 Gästen. Die kamen aus ganz Deutschland in die Mercedes-Welt am Salzufer, um Walter Müller, 65, der 17 Jahre lang an der Spitze der Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin gestanden hatte, zu verabschieden.

Selbst Daimler AG-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche, von dem es zunächst hieß, er wäre wegen des Rücktritts von Produktionsvorstand Andreas Renschler verhindert, kam mit rund eineinhalb Stunden Verspätung in Tiergarten an, um Müller zu danken. „Walter Müller ist ein Vollblut-Vertriebler vom Scheitel bis zur Sohle“, so Zetsche. „Mit der Mercedes-Welt am Salzufer verfügt die Niederlassung Berlin über die S-Klasse unter den Autohäusern.“

Das große gläserne Gebäude gehört wohl zu den wichtigsten Meilensteinen in Müllers Karriere. Inspiriert vom New Yorker Guggenheim-Museum, wie Müller sagt, hatte er von 1998 bis 2000 die Niederlassung realisiert, die nicht nur als großzügige Verkaufsfläche sondern auch als Treffpunkt für die Berliner Gesellschaft dienen sollte.

Und das war sie dann auch am Mittwochvormittag. Zur feierlichen Staffelübergabe von Müller an seinen Nachfolger Jürgen Herrmann waren Gäste wie Modedesigner Guido Maria Kretschmer, Schauspielerin Katja Flint und Filmproduzentin Regina Ziegler gekommen. Auch die beiden Olympiasieger Robert Harting und Christian Schenk, CDU-Politiker Klaus-Rüdiger Landowsky und Musiker Andrej Hermlin mit Ehefrau Joyce, waren gekommen, um Müller zu verabschieden und seinen Nachfolger zu begrüßen.

Müllers Einladung war auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gefolgt, der dem Gastgeber für seinen Einsatz in der Stadt dankte. Gleichzeitig appellierte er an die anwesenden Wirtschaftsvertreter, den Leitsatz des Tages „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“ besonders im Bezug auf ihre Engagement in Sachen Tempelhof zu beherzigen. „Berlin muss sich verändern“, sagte Wowereit, „es kann doch nicht sein, dass nur einige Käseglockenspezialisten sagen, was gut für Berlin ist.“

Gutes für Berlin tun – das war für Walter Müller, der sich 1980 in Berlin verliebt hatte, eine Herzensangelegenheit. Seit der Eröffnung der Mercedes-Welt konnten durch Charity-Events und Veranstaltungen mehr als drei Millionen Euro für Bedürftige gespendet werden. Auch am Mittwochvormittag wurde ein Scheck über 10.000 Euro an die Berliner Aidshilfe übergeben.

Müller verlässt Mercedes mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie er sagt. „Man verkauft in diesem Job nicht nur tolle Produkte, man verkauft auch Träume“, so Müller, „dabei kann man unvergessliche Sternstunden erleben.“ Er habe es immer geliebt, Menschen zusammen zu führen, gemeinsam Ziele zu formulieren und diese dann zu realisieren. Das möchte er auch in Zukunft tun – als freier Unternehmer.