Mittendrin

Schläfer in Ministerien

Florian Kain über politisches Abseits der Gremien

Das passt natürlich bestens zu ihrem neuen Job als oberste Dienstherrin der Soldaten, wegen des „Kasernen“-Touches. Doch schon als Familienministerin und später Arbeitsministerin sorgte dieses Übernachtungsmodell, das stets durch Aufenthalte zu Hause in Burgdorf-Beinhorn unterbrochen wird, für Aufsehen. Die 58-jährige CDU-Politikerin will so den Beruf vom Privatleben trennen, sich sprichwörtlich nicht einrichten am Arbeitsort Berlin.

Nun darf man getrost davon ausgehen, dass ihre Nachfolgerin im Arbeitsministerium, Andrea Nahles (SPD), manches anders machen wird. Aber: die Leyensche „Ministeriumsschläfer“-Tradition will die 43-Jährige fortsetzen, wie sie der „Süddeutschen Zeitung“ verriet: „Man lebt mit den Kindern und der Familie in der Heimat. Berlin ist der Ort der Arbeit.“ Schöner hätte es auch Ursula von der Leyen nicht sagen können. Tatsächlich kündigt die rheinische Frohnatur Nahles (Lebensmotto: „Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen“) auch schon an, nicht nur in Berlin, sondern außerdem in Bonn arbeiten zu wollen, wo immer noch die Hälfte des Ministeriums sitzt. Dann benötigt Nahles, die durchaus zugibt, ein Landei zu sein, von daheim aus Weiler in der Eifel nur 50 Minuten, um ins Büro zu kommen. Ein weiterer Vorteil: In den sitzungsfreien Wochen kann sie ihre dreijährige Tochter häufiger sehen und zur Kita bringen. In ihrer Zeit als SPD-Generalsekretärin hat die Parteisoldatin ihre Nächte aber wohl dennoch nicht im Willy-Brandt-Haus zugebracht: Zumindest zwischenzeitlich gab es mal eine Wohnung in Neukölln.

Auch Heiko Maas, der neue Justizminister (SPD, Hauptwohnsitz: Saarlouis) verfügt in Berlin aktuell über nicht mehr als eine Matratze und ein winziges Bad in der Kammer hinter seinem Büro. Im Gegensatz zu den Kolleginnen plant er aber bereits Verbesserungen: „Morgens die Tür zu öffnen und gleich vor dem Schreibtisch zu stehen – das ist nichts für mich“, sagte der Familienvater, der in Berlin auf Wohnungssuche ist. Nicht jeder Minister ist hart zu sich selbst.