Zwischenmenschlich

Happy new Generation Loose

Jule Bleyer begegnet dem Berliner Stadtleben

Haben Sie sich auch vorgenommen, dieses Jahr weniger Alkohol zu trinken? Gut. Ich auch nicht. Kurz vor dem Jahreswechsel war ich mit meinem besten Freund auf ein Bier im Schloss Neuschweinsteiger, vormals besser bekannt als Helmut Kohl Bar, und er hat mir von seinen guten Vorsätzen erzählt: mehr reisen, mehr Geld ausgeben, mehr trinken.

Ich muss zugeben, ich war ein bisschen neidisch. Keine Sorge, ich komme jetzt nicht mit diesen Schenkelklopfer-Listen, die vor Silvester in den sozialen Netzwerken kursieren und bei denen man sich wundert, welche Menschen sie teilen. Darauf ist 2013 durchgestrichen und durch 2014 ersetzt, vor „abnehmen“ ein „endlich“ eingefügt und die „5 Kilogramm“ durch „zehn“ ersetzt, aus „nett zu meiner Frau sein“ wird ein „netter zu meiner Ex-Frau sein“ und „Im Job auf den Tisch hauen“ ist gleich ganz gestrichen und durch „Job suchen!“ ersetzt.

Aber im Ernst, das neue Jahr ist gerade mal eine Woche alt, es ist noch nicht zu spät, die Dinge anders zu machen als bisher. Damit meine ich: Auf die Kacke hauen, sich gehen lassen, dem Überfluss frönen, auch mal etwas nur zu 60 Prozent machen statt zu 110. Die Generation Maybe, die damit hadert, alle Möglichkeiten zu haben, aber nicht weiß, welche sie bloß ergreifen soll, und wenn ja, wann überhaupt, war 2013. Dieses Jahr kommt die Generation Loose, die, die sich locker macht und sich gar nicht entscheiden will (nicht zu verwechseln mit der Lost Generation, der verlorenen Generation). Die aus dem Hamsterrad springt, in das sie auf dem Weg von Friedrichshain nach Charlottenburg reingeraten ist. Und die, wenn sie nach dem Sprung auf der Schnauze landet, nicht sofort wieder aufsteht, weil es ganz gemütlich ist, mal ein bisschen länger liegen zu bleiben. Man könnte sie auch Generation Gegenwart nennen, die heute lebt und nicht für ihre mittelfristige Zukunft.

An dem Abend mit meinem Kumpel habe ich mir jedenfalls vorgenommen, alles entspannter anzugehen. Allerdings haben wir, als Probe für seine Vorsätze, so viel getrunken, dass ich mich am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern konnte. Zum Glück hatte ich mir vorher eine Liste gemacht. Und zum nächsten nächsten Jahreswechsel kann ich darauf alle Dinge notieren, die ich 2015 endlich erledigen muss.