Mittendrin

Positive Entwicklung

Florian Kain über das Leben abseits der Gremien

Seine Personalie war neben Ursula von der Leyens Verwandlung zur Verteidigungsministerin die Überraschendste im neuen Bundeskabinett. Und wie zu hören ist, war auchGerd Müller selbst vor Freude regelrecht aus dem Häuschen, als CSU-Chef Horst Seehofer ihn darüber informierte, dass er Deutschlands neuer Entwicklungsminister sein wird. Kein Wunder. Als ministrabel galt er parteiintern schon lange. Doch bei der letzten Kabinettsbildung musste Müller der damals populäreren Ilse Aigner den Vortritt lassen. Diesmal aber pfiff Bayerns Ministerpräsident auf die Frauenquote (zumal die CSU-Landesgruppe ja mit Gerda Hasselfeldt von einer Frau geführt wird) und entschied sich für den Polit-Profi aus dem Allgäu. Der konnte bei seinen ersten Auftritten als neuer, noch unbekannter Minister mit Fachwissen und einer sympathisch-bescheidenen, aber zugleich bestimmten Art punkten.

Sie erinnern sich? Müllers Vorgänger Dirk Niebel von der FDP hatte in dem Amt ja einen ziemlichen Budenzauber veranstaltet. Er dürfte den Deutschen durch die peinliche Geschichte mit dem zunächst nicht verzollten Teppich aus Kabul und die hässliche alte Fallschirmjägermütze in Erinnerung bleiben. Da wird es nur ein schwacher Trost sein, dass die Kopfbedeckung inzwischen einen Platz im Haus der Geschichte hat. Gerd Müllers kleiner Coup, den Ex-Fußballnationalspieler gleichen Namens als Botschafter für Entwicklungsprojekte einzuspannen, war da cleverer. Überhaupt hat der Kemptener Bodenhaftung. Lesen und Schreiben lernte er in der Dorfschule einst von einem Mädchen aus der achten Klasse. Von da war es über die Realschule und das Studium ein weiter Weg bis zu Promotion, EU-Abgeordnetenmandat und jetzt Ministeramt. Das erdet.