Mittendrin

Gänsebraten lieben sie alle

Florian Kain über Politisches fernab der Gremien

Eid geleistet, Regierung gebildet, ein aufreibendes Jahr auf der Zielgeraden: Man gönnt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Ski-Ferien im noblen Schweizer Alpenstädtchen St. Moritz. Dem Vernehmen nach soll sie sich dort nach der Ankunft mit ihrem Mann Joachim Sauer aber noch nicht mal ein Nickerchen gegönnt haben, sondern sofort durch den Schnee gestapft sein. Übrigens – Sparsamkeit muss sein – in derselben Fleece-Jacke wie im vergangenen Jahr, wie natürlich gleich anerkennend festgestellt wurde. Knapp zwei Wochen will sich die Regierungschefin auf ihren Skiern nun den Wind um die Nase wehen lassen. Das ist eine Tradition. Denn Angela Merkel mag es, dass man dabei „nicht über Politik nachdenken kann“, wie sie mal gesagt hat.

Somit dürfte sich die Hotelküche um die Weihnachtsgans gekümmert haben – an den Festtagen das erklärte Lieblingsessen der Merkels. Das haben sie mit Linke-Fraktionschef Gregor Gysi gemeinsam. Auch dieses Jahr kam bei ihm am ersten Feiertag die obligatorische Gans mit Rotkohl und Klößen auf die Teller – bei ihm ebenso ein Muss wie weihnachtliche Klänge von Bach bis „Stille Nacht, heilige Nacht“. Und: An Gysis Baum brannten sogar echte Kerzen. Merke: Auch Linken-Politiker pflegen bürgerliche Traditionen, wenn die besinnlichen Tage anbrechen. Jedenfalls, wenn sie Gregor Gysi heißen.

Die Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl genießt die freien Tage zwischen den Jahren mit ihrem Mann in der neuen Wohnung im Sprengelkiez. An Weihnachten war allerdings erst mal volles Haus: Högls Eltern kamen mit ihren drei Dackeln aus Oldenburg vorbei. Zu essen gab es ebenfalls Gans, die Högl in der Moabiter Markthalle erstanden hatte. Bis zum Jahresende will sie im Kiez aber auch mal bei „Ernst“ und im „Lindengarten“ vorbeischauen.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Steffel bleibt in diesen Tagen zu Hause. „Das machen wir so, seit wir kleine Kinder haben“, sagte er. Steffel sprang offenbar sogar in ein Weihnachtsmannkostüm und ließ sich die gelernten Gedichte vortragen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag ging es aber dann abends in die Max-Schmeling-Halle zum Füchse-Anfeuern. Als Vereinspräsident ist man ja immer irgendwie im Dienst.