Fernsehen

Gar nicht peinlich

Fast fünf Millionen Zuschauer sehen die „Helene Fischer Show“. Trotzdem hat die Sängerin ein Image-Problem

Vielleicht ist eines von Helene Fischers größten Problemen, dass es doch ein wenig peinlich ist, sich zu ihr zu bekennen. Zu sagen: Ja, ich finde diese Sängerin gut. Vielleicht ist es ihr aber auch egal. Schließlich vertraute das öffentlich-rechtliche Fernsehen, in diesem Jahr erstmals das ZDF, der 29-Jährigen am ersten Weihnachtsfeiertag erneut eine dreistündige Show an. Und so kamen an zwei Abenden knapp 10.000 Fans ins Velodrom, um bei der Aufzeichnung dieses Schlager- und Musicalspektakels dabei zu sein. Schließlich hat sie in ihrem doch noch jungen Leben schon zahlreiche Auszeichnungen bekommen. Und schließlich bringt sie eine Leistung, auf die die in Sibirien geborene Tochter russlanddeutscher Akademiker stolz sein kann.

Sieben Stunden brauchte die Crew, um die am Ende auf drei Stunden zusammengeschnittene Sendung aufzuzeichnen. Drei Stunden, in denen Helene Fischer an jeder Nummer beteiligt ist. Sie wagt sich mit der achtjährigen Chelsea Fontenel aus der Schweiz an Whitney Houstons „I Will Always Love You“ oder mit dem Red Army Choir und dem französischen Tenor Vincent Niclo an den James-Bond-Titelsong zu „Skyfall“. Oder singt mit 50er-Jahre-Deutsch-Rock-’n’-Roller Peter Kraus ein glattes Schlagerliedchen. Es gibt Duette mit Howard Carpendale, Otto, Max Raabe und den finnischen Poprockern von Sunrise Avenue. Fischer lässt die TV-Köche Alfons Schuhbeck, Kolja Kleeberg und Nelson Müller in einer Mischung aus „Herzblatt“ und „The Voice of Germany“ um ihre Gunst musizieren. Sie tanzt, die Zielgruppe fest im Blick, Szenen aus 80er-Jahre-Filmen wie „Flashdance“, „Fame“ und „Dirty Dancing“. Sie lässt sich an flexiblen Stangen durch die Luft schleudern und turnt in einer transparenten Kugel über der Bühne. Und immer wieder lässt die Absolventin der Frankfurter Stage & Musical School die Ensembles aktueller Musicals Ausschnitte ihre Produktionen präsentieren.

Helene Fischer scheint in jeder Szene beweisen zu wollen, dass sie hart arbeitet. Und dass sie es kann. Dass sie mehr ist als die Schlager-Tante an der Seite von Volksmusik-Onkel Florian Silbereisen, mit dem sie seit 2008 liiert ist. Auf allen Reisen habe sie ihre Laufschuhe und ihre Fitness-DVD bei sich und trainiere im Hotelzimmer, sagte sie gerade der „Bild“-Zeitung. Das glaubt man der blonden muskulösen Frau sofort. Wenn sie nur nicht so lieb wäre. So wagt sie es beispielsweise nicht, unter den drei Köchen deutlich ihren Favoriten zu benennen.

4,92 Millionen Zuschauer wollten diese Gesamtleistung am Mittwochabend sehen. Der Marktanteil betrug 16,2 Prozent. Etwas weniger als in den beiden vergangenen Jahren, als die Show noch in der ARD zu sehen war. Die TV-Konkurrenz auf den anderen Kanälen hatte aber dennoch das Nachsehen.

Hat Helene Fischer nun tatsächlich ein Problem? Vielleicht. Ein kleines zumindest. Beobachter der Aufzeichnungen sahen vor allem Frauen mittleren Alters im Publikum. Während der Sendung allerdings bemühte sich die Regie, junge, mitunter leicht unkonventionelle Zuschauer im Publikum zu zeigen, junge, glückliche Paare zu finden oder Männer mit seriösem Äußeren. Vielleicht ist das ein kleiner Hinweis darauf, wie sehr die Fischer sich um Anerkennung bemüht.