Mittag mit

Erel N. Margalit

Alexandra Kilian arbeitet zurzeit in Israel. In Jerusalem traf sie Erel N. Margalit, Knesset-Mitglied (Labour) und erfolgreicher Unternehmer.

Sie sollen der neue Joseph "Yossi" Vardi, ICQ-Gründer und Start-up-König von Israel, sein. Wie würden Sie Ihr Projekt beschreiben?

Vor 20 Jahren habe ich Jerusalem Venture Partners (JVP) gegründet. Seitdem habe ich damit mehr als 100 Firmen aufgebaut. Mit einigen hatte ich Glück: Sie wurden zu führenden israelischen Unternehmen. Die kleinste meiner Firmen habe ich gerade erst aufgebaut, mit drei Mitarbeitern. Die größte hat mittlerweile 2000 Mitarbeiter. Sie alle dominieren die internationale Kommunikations- und Internetwelt.

Welche Rolle spielt Deutschland?

Grundsätzlich kooperieren wir viel mit Europa, dabei jedoch speziell mit deutschen Firmen und Investoren. Meine bislang erfolgreichste Firma war „Netro“, sie wurde zur führenden in der Wireless-Technologie weltweit – durch eine Verbindung mit Siemens Cooperation und durch die Zusammenarbeit mit einigen Venture Capitalists in Berlin, München und weiteren deutschen Firmen auf den großen Computermessen in Hannover. Ein weiteres erfolgreiches Projekt war „Qlik“, entstanden und gefördert durch Zusammenarbeit von Deutschen und Israelis. Die Firma wird heute auf drei Milliarden US-Dollar geschätzt und ist eine von Europas führenden Technologie-Häusern.

Wenn nicht der neue Start-up-König – dann vielleicht der neue Netanjahu? Sie arbeiten engagiert in der Knesset.

Vor zwei Jahren hatte ich das Gefühl, ich müsste mich verändern. Vom reinen Geschäftsmann zum Social Entrepreneur. Die Frage war, ob die Menschen, die die Start-up-Welt anführen, auch in der Politik dasselbe bewegen können wie in der Wirtschaftswelt. Warum soll die Start-up-Nation Israel nicht zu einer Start-up-Region, in Verbindung mit den Palästinensern und Arabern werden? In den letzten 15 Jahren habe ich so nicht nur ein erfolgreiches Geschäft aufgebaut, sondern auch eines der größten israelischen Bildungsprojekte. Mit dem haben wir inzwischen 25.000 Kindern und ihren Familien in den jüdischen und arabischen Regionen, die unter der Situation in Nahost wirtschaftlich leiden, mit Stipendien für Schulgeld, mit Materialien und Transport geholfen, einen Schulabschluss zu erlangen.