Mittag mit

Tom Franz

Jede Woche trifft Alexandra Kilian einen Menschen der Stadt zum Lunch

. Zurzeit arbeitet sie in Tel Aviv, dort traf sie: Tom Franz, deutscher Rechtsanwalt und Gewinner der israelischen Fernseh-Kochshow „Masterchef“. Es gibt: Pfannkuchen und Christstollen.

Knapp ein Jahr ist es jetzt her, dass ein zum Judentum konvertierter katholischer Anwalt aus Köln die populärste Fernsehsendung Israels mit koscherer Küche gewinnen konnte. Was ist seitdem passiert?

Ja, das Jahr hatte einige Spitzen: im Januar Masterchef, im Mai 40. Geburtstag, im September mein Buch „So schmeckt Israel“, im Oktober die Geburt meines zweiten Sohnes. Seit der Sendung ist jeder Tag ein Highlight. Die Nachfrage nach dem deutsch-israelischen Masterchef ist so groß, dass ich immer noch nicht dazu gekommen bin, ein Restaurant zu eröffnen.

Will Deutschland oder Israel mehr von Ihnen?

50/50. Obwohl ich hier lebe. Ich werde aber sehr oft in die Heimat eingeladen, zu Vorträgen, Diskussionen über Judentum, israelisch-deutsche Beziehungen. Es geht längst um mehr als ums Kochen.

Auch um Berlin – dort waren Sie die letzten zwei Male.

Ja, auf dem Israelkongress als Eröffnungsredner und auf dem Gemeindetag im Interconti im November, auf dem ich gekocht habe. Ich merke immer mehr, wie brückenbauend das ist. Der Masterchef hat eine neue Art von Verbindung zwischen Deutschen und Israelis geschaffen – über das Essen.

Wann wird es Ihre deutsch-koschere Küche mit Kohlrouladen, Reibekuchen, israelisch-rheinischem Sauerbraten dann in Ihrem Restaurant geben?

Das ist nach wie vor mein Traum. Mir war nur dieser Medien-Tsunami nicht bewusst. Wo, weiß ich noch nicht.

Also nicht zwingend in Tel Aviv? Wie wär’s mit Berlin?

Berlin ist eine Idee, ja. Es liegen auch Angebote aus Hamburg, München, Jerusalem, Tel Aviv vor. Aber: Ich habe mich ein wenig in Berlin verliebt. Das Gefühl für diese Stadt fängt mit der Faszination für die Architektur an und hört bei der besonderen Atmosphäre auf. Man spürt Geschichte, wie in Jerusalem. Das und seine momentan so gute Phase machen Berlin so lebenswert – und besonders.