Welt-Aids-Tage

Kleiderkisten für die Charité

US-Botschafter John B. Emerson unterstützt die Kindertagesklinik für HIV-Infizierte

Natürlich trägt Botschafter John B. Emerson seine rote Schleife auf dem Revers. Seine Frau Kimberly, die ihn an diesem Tag in die HIV-Kindertagesklinik der Charité im Wedding begleitet, ärgert sich ein bisschen. „Das hätte ja heute ganz wunderbar gepasst, aber ich habe natürlich mal wieder nicht dran gedacht“, sagt die elegant gekleidete Amerikanerin, die mit einer ganz besonderen Mission in die Einrichtung gekommen ist: um sich im Rahmen des Welt-Aids-Tages für Kinder, die mit dem HI-Virus infiziert sind, zu engagieren.

31 Kisten voll mit Kinderkleidung hat das Ehepaar als Kleiderspende für das Institut im Gepäck, gesammelt von den 450 Mitarbeitern der US-Botschaft, und das in nur zwei Wochen. „Das ist ein bi-nationales Geschenk“, sagt Emerson und lacht. „Von unseren deutschen und amerikanischen Angestellten.“ Die Emersons möchten mit dieser Spende danke sagen – „Danke“ für die Arbeit der Einrichtung, die sich um derzeit 65 infizierte Kinder und Jugendliche kümmert sowie rund 100 Säuglinge und Kleinkinder betreut, die gefährdet sind, weil ihre Mütter HIV-positiv sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind während der Schwangerschaft oder während der Geburt infiziert wird, liegt bei angemessener Behandlung von Mutter und Kind unter zwei Prozent – so weit ist die Medizin bereits.

„Es ist wirklich unglaublich, dass die Botschaft innerhalb von so kurzer Zeit so viel Kleidung hat sammeln können“, bedankt sich Gisela Gürtler, die Sozialarbeiterin der Einrichtung, die sich bei den Patienten um alle nicht-medizinischen Belange kümmert. „Wir haben es hier oft mit Menschen zu tun, die nicht nur mit dem Virus kämpfen müssen, sondern in den schlimmsten Fällen nicht einmal eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland haben. Die haben oft kein Geld, die nötige Kleidung für ihre Babys zu kaufen.“

Die Einrichtung geht davon aus, dass sie etwa 90 Prozent der HIV-infizierten Kinder in Berlin und den angrenzenden neuen Bundesländern betreuen, erklärt Renate Krüger dem Botschafter. „Oftmals ist die Bindung zu den Patienten so eng, dass die Betreuung nicht mit dem 18. Lebensjahr aufhört, sondern Patienten auch noch länger bei uns betreut werden.“

Für Emerson und seine Familie sei es eine Selbstverständlichkeit, sich für das Thema HIV und Aids einzusetzen. „Wir haben selbst einen Freund durch diese Krankheit verloren“, berichtet Kimberly Emerson. „In unserer Heimat haben wir gemeinsam mit vielen bekannten Politikern wie Hillary Clinton zusammengearbeitet.“

Das Ehepaar ist in der „Elizabeth Glazer Pediatric AIDS Foundation“ und „Gods Love We Deliver“ aktiv. „Und genau das wollen wir in Deutschland weiterführen“, betont Botschafter Emerson, der im August sein Amt in Berlin angetreten hat und mit seiner Frau und seinen drei Töchtern Hayley, Jaqueline und Taylor aus Kalifornien nach Deutschland gezogen ist. Die Zwillinge Hayley und Taylor sind gerade 16 Jahre alt, weshalb für das Botschafter-Paar gerade die Betreuung von jungen Erwachsenen wichtig ist.

„Ganz wichtig ist die Aufklärung insbesondere von Jugendlichen, die ihre ersten Beziehungen haben“, erklärt Renate Krüger. Obwohl HIV-Infizierte mit der richtigen Behandlung ein normales Leben führen könnten, sei eine Stigmatisierung durch Unwissen weiter Bevölkerungsteile immer noch ein großes Problem.

Nun will Emerson auch seine Töchter aktivieren, um weitere Spenden zu sammeln. „Die Zwillinge sind ja noch in der Schule“, so der Botschafter. „Da kriegen wir sicherlich auch noch mal einiges zusammen, wenn wir zum Spenden aufrufen.“