Film

Prominente Stimmen aus dem Off

Hape Kerkeling, Otto Waalkes und Anke Engelke erwecken Trickfiguren im Kino zum Leben

Die Stimmen von Manfred Lehmann und Irina von Bentheim kennt in Deutschland fast jeder Kino- und Fernsehzuschauer. Auf der Straße würden die beiden Berliner aber wohl nur wenige erkennen. Lehmann leiht seit Ende der 80er-Jahre Bruce Willis seine Stimme, Irina von Bentheim würden deutsche Fans der Kult-Serie „Sex and the City“ mit geschlossenen Augen ganz eindeutig als Kolumnistin Carry Bradshaw identifizieren. Während fremdsprachige Filme in vielen Ländern nur mit Untertiteln in die Kinos kommen, sorgen die beiden als Synchronsprecher dafür, dass US-Schauspieler auf deutschen Leinwänden wie Muttersprachler erscheinen. Bei Comic- und Animationsfilmen kommen bei der Synchronisation auch in Hollywood gerne bekannte Schauspieler zum Einsatz. So verbergen sich in der Originalversion Stars wie Cameron Diaz und Tom Hanks hinter den Figuren aus „Shrek“ und „Toy Story“. In der deutschen Übersetzung hat seit 2007 Anke Engelke die Rolle der Marge Simpson übernommen, und Otto Waalkes ist seit dem ersten Film von 2002 als Faultier Sid in der „Ice Age“-Reihe zu hören.

Als echter Verwandlungskünstler ist auch Hape Kerkeling als Synchronsprecher gefragt. Horst Schlämmer, Evje van Dampen und Königin Beatrix der Niederlande sind nur einige Figuren aus dem Bühnenrepertoire des Comedians. Einen Schneemann hatte aber selbst er bisher nicht im Angebot. So ist es wenig erstaunlich, dass der 48-Jährige nicht lange zögerte, als er das Angebot bekam, im Animationsfilm „Die Eiskönigin – völlig unverfroren“, der am 28. November ins Kino kommt, dem sprechenden Schneemann Olaf seine Stimme zu leihen. Bereits 2008 und 2011 war Hape Kerkeling für „Kung Fu Panda“ als Synchronsprecher im Einsatz. Dieses Mal war ihm der Job aber eine besondere Ehre. Handelte es sich doch bei dem von Hans Christian Andersen „Die Schneekönigin“ inspirierten Märchen um den traditionellen Disney-Weihnachtsfilm. Das sei wie ein Ritterschlag, sagte er: „Da habe ich nicht mehr allzu viel nachgefragt, worum es überhaupt geht, weil mir klar war, dass das eigentlich nur ein Knaller sein kann.“

Mit dieser Annahme sollte er recht behalten. Hape Kerkeling ist mit dem Ergebnis seiner Arbeit voll und ganz zufrieden. „Ich fand die Figur in Bezug auf mich schon deshalb einen Treffer, weil Olaf genau wie ich ein Winterkind ist, das sich nach dem Sommer sehnt. Das ist eine ziemlich starke Parallele. Und ich mag seine Naivität bei gleichzeitiger Lebensklugheit. Das finde ich eine sehr spannende und komische Komponente“, sagt er. Allein, dass er für den Film, in dem eine Königin ihr Land durch Zauberkräfte versehentlich in einen ewigen Winter versetzt, nicht nur sprechen, sondern auch singen sollte, habe ihn kurzzeitig in Panik versetzt. „Ich wusste vorher gar nicht, dass Olaf auch singt. Das habe ich erst erfahren, als ich schon im Sack war“, so der gebürtige Recklinghausener. „Aber das Lied ist wunderbar. Ein richtiger Ohrwurm. Allerdings habe ich mich nicht getraut, es ohne Gesangsunterricht zu singen.“

Eine Woche lang stand Hape Kerkeling für „Die Eiskönigin“ im Synchronstudio und zeigte dabei vollen Einsatz. „Das ist eine extrem körperliche Arbeit. Wenn der Schneemann sich bewegt, wenn er auseinanderfliegt und dabei spricht, dann kann ich natürlich auch nicht einfach dastehen, sondern muss versuchen, die Bewegungen nachzumachen“, erklärt er. Eingesprochen hat er seine Rolle, wie bei jeder Synchronisation üblich, allein. „Ich glaube, das ist für die Qualität besser, auch wenn es wahrscheinlich noch mehr Spaß machen würde, wenn die anderen Sprecher auch dabei wären“, so der Komiker und Autor.

Obwohl sich Disney-Fan Hape Kerkeling dank der Rolle des Olaf als Synchronsprecher geadelt fühlt, steht eine potenzielle Wunschrolle noch aus. Seine erklärte Lieblings-Disney-Prinzessin ist nämlich Cinderella.