Zwischenmenschlich

Otto Dix, Olympia und das Wetter

Jule Bleyer begegnet dem Berliner Stadtleben

Momentan möchte man ja gern in München leben. Ausnahmsweise. Da könnte man sich beim Bäcker über Otto Dix, Max Liebermann, Franz Marc und skurrile ältere Herren mit Konservenvorräten und anderen Sammelleidenschaften unterhalten statt immer nur über Baustellen, Tempelhofer Feld und BER.

Andererseits wird die verträumt-barocke „Weltstadt mit Herz“ nun auch mal mit der längst nicht vergangenen Geschichte konfrontiert, die sich in einer Schwabinger Wohnung nur versteckt hatte: Vergangenheitsbewältigung nennt man das. Eine unschöne Aufgabe, die bisher doch vornehmlich Berlin zugefallen ist. Auch beim Thema Volksentscheid machte München bundesweite Schlagzeilen. Während die Berliner das Stromnetz lassen, wo es ist, mucken die Münchner auf und leh-nen die Olympischen Spiele ab. Als Hauptstädter kann man sich derweil entspannt am Stammtisch zurücklehnen: Wir würden’s ja machen, dieses Olympia.

Es scheint, das Zänkisch-Kratzbürstige sitzt zur Abwechslung mal woanders. Selbst vom BER gibt es zurzeit keine Hiobsbotschaften. Was zwar daran liegt, dass die Finanzchefin sich strikt weigert, Auskunft über die tatsächlichen Kosten der Großbaustelle zu geben. Aber was soll’s, genießen wir doch diese Atempause, die nächste schlechte Nachricht kommt bestimmt. Obwohl, beim BER kann sich das noch ein bisschen hinziehen, da arbeitet man nämlich nach eigener Aussage „intensiv“ daran, die Zahlen zusammenzubekommen. Die Mitarbeiter betreten also Neuland.

Apropos Angela Merkel. Die gibt ja gerade das große Atempausen-Vorbild. Man sieht und hört sie nicht, nicht mal telefonieren. Stattdessen guckte man in den vergangenen Tagen mitleidig nach Leipzig, das die Bruchpiloten von der SPD beheimaten musste. Dazu ist allerdings zu sagen, dass die SPD da gerade ziemlich gut hin passt – wurde der Stadt doch unlängst erklärt, dass sie mitnichten so hip ist, wie zuvor selbst bayerische Leitmedien berichteten. Berlin wird dieser Umstand einmal im Monat erklärt, auch in diesem Punkt haben wir derzeit also keine Schlagzeilen zu befürchten. Irgendwie dann doch ganz schön, wenn man beim Bäcker mal guten Gewissens über das Wetter reden kann.