Exklusiv

Wo sich George Clooney in Berlin heimisch fühlt

Soho-House-Gründer Nick Jones erklärt das Erfolgsrezept des exklusiven Member-Clubs

Wenn man Nick Jones nach seinem Erfolgsrezept fragt, bekommt man eine knappe Antwort: „gutes Essen, gute Gesellschaft, intelligente Gespräche und eine angenehme Atmosphäre“, sagt der 50-Jährige und macht es sich auf dem breiten Ledersofa in dem großzügigen Club-Wohnzimmer bequem. „Viel mehr ist es eigentlich nicht.“

Ein Mensch mit Geschmack wird hier leben, könnte man beim Betreten des Lofts meinen, in dem wir uns zum Interview mit dem leger gekleideten Herren mit dem starken britischen Akzent treffen. Die großzügigen Wohnräume sind seit vergangener Woche Teil des Berliner Soho Houses an der Torstraße unter dessen Dach sich auch ein Kino, ein Fitnessstudio, ein Spa und ein Restaurant befinden. In den vier neuen Lofts soll es den Gästen an nichts fehlen: An der Wand hängt ein großer Flachbildfernseher, daneben befindet sich eine lange Tafel, an der gut und gern zwölf Gäste ausgiebig speisen können. Für Dinnerpartys vielleicht, oder für einen Abend mit Freunden und ein paar Gin Tonics. Musik könnte es dann von dem Flügel geben, der am Ende des Raumes steht. Das Essen wird in der offenen Küche zubereitet. Anspruchsvolle Berlinbesucher, die eben nicht in einem der vielen Hotels der Stadt nächtigen wollen, sollen sich hier zu Hause fühlen. Denn genau das will Nick Jones, der an diesem Abend zur Eröffnung extra aus England angereist ist, seinen Gästen bieten: einen Ort zum Wohnen, nicht nur zum Übernachten. Eine perfekt eingerichtete Wohnung eben – aktuell für 1200 bis 2000 Euro pro Nacht. Und an diesem Abend darf Jones wieder seiner Lieblingsbeschäftigung nachkommen: als Gastgeber die neuen Lofts eröffnen.

Nick Jones ist der Gründer des ersten Soho Houses in London, einem Member-Cub, von dem es mittlerweile Ableger in New York, Miami, Hollywood, Toronto und seit 2010 auch in Berlin gibt. Mitglied werden kann man nur auf Empfehlung – vorausgesetzt man passt ins Konzept. Das steigert die Exklusivität – und weckt Neugier bei allen, die eben nicht einfach für einen Feierabenddrink auf der Dachterrasse mit Pool an der Torstraße vorbeikommen können.

„Die Leute, die zu uns passen, sollen unabhängig sein, eine eigene Meinung beziehungsweise einen freien Geist haben. Und eine kreative Seele besitzen“, erklärt Jones, der als Gastronom in die Branche eingestiegen ist. „Und da ist es im Prinzip auch egal, was für einen Beruf die Mitglieder ausüben oder wie alt sie sind.“ 1992 eröffnete Jones den ersten Club in Londons Stadtteil Soho, um einen Ort zu schaffen, an dem sich Leute aus der kreativen Szene treffen und wohlfühlen – so die Grundidee, ein Konzept habe es nie wirklich gegeben, sagt Jones. „Die wirklich guten Dinge im Leben entstehen durch Zufall, aus sich selbst heraus.“

Und der Club in der deutschen Hauptstadt hat viele Fans. Prominente Berliner sind regelmäßig im Spa, an der Bar oder im Fitnessraum anzutreffen – und für internationale Stars wie Madonna, Michael Douglas und George Clooney stellt sich die Frage, wo sie in Berlin übernachten wollen, erst gar nicht. Während der Dreharbeiten von „The Monuments Men“ lebte Clooney mit der gesamten Crew mehrere Monate lang in dem Club, der im Gebäude der ehemaligen SED-Zentrale ein Zuhause gefunden hat. Gleiches gilt für Nick Jones selbst, der regelmäßig in Berlin vorbeischaut – und überzeugt ist, dass das Konzept, das ja keines ist, perfekt nach Berlin passt. „Wir schließen keine andere deutsche Stadt aus, und auch Hamburg und München haben einen großen Reiz“, erklärt Jones, der nächstes Jahr zwei neue Clubs in Istanbul und Chicago eröffnen will. „Aber mir gefällt die Clubkultur, die vielen Restaurants, der viele Platz hier in Berlin. Vor 20 Jahren hätte ich mir sogar vorstellen können, hier zu leben. Berlin war die richtige Entscheidung. Berlin tut dem Soho House gut.“ Deshalb sei der Club an der Torstraße auch sein aktueller Lieblingsclub, sagt Jones und lacht. „Aber das ist bei allen Clubs so. Der, in dem ich gerade wohne, ist immer mein Favorit.“