Justiz

Die Schöne und die Steuer

Ex-Model Nadja Auermann wehrt sich gegen ihre Verurteilung

Kurz vor elf Uhr gibt es plötzlich ein kurzes Blitzlichtgewitter im sonst so düsteren Flur des Moabiter Kriminalgerichts. Fotografen und Kamerateams umringen eine schlanke, groß gewachsene Frau, die sich mit ihrem Anwalt Robert Unger nähert. Es ist das Ex-Model Nadja Auermann. Die 42-Jährige wirkt genervt wegen des Trubels; gibt auch keinen Kommentar und schreitet unbeirrt weiter, als ihr ein TV-Reporter vor der Tür des Saales 501 das Mikrofon vor die Nase hält.

Es ist Nadja Auermanns zweiter Prozess in Sachen Steuerhinterziehung. Ihr wird vorgeworfen, zwischen von 1999 bis 2002 in Berlin gelebt, hier aber keine Steuern gezahlt zu haben, weil sich ihr Hauptwohnsitz angeblich in Monaco befand.

Im Dezember 2011 wurde sie von einem Moabiter Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 90.000 Euro verurteilt. Hinzu sollen Forderungen des Finanzamtes kommen, sie sich auf rund 450.000 Euro belaufen. Doch es geht der inzwischen vierfachen Mutter mit Sicherheit nicht nur um dieses Geld, das sie zahlen soll. Sie hatte schon im ersten Prozess vor dem Amtsgericht immer wieder deutlich gemacht, dass sie die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft und letztlich auch das Urteil in erster Instanz als ungerecht empfindet. Folgerichtig ging sie in Berufung. Und nun wird der ganz Fall vor der Moabiter Strafkammer 73 noch einmal aufgerollt. Mit allen Zeugen – und eben auch mit dem Finanzbeamten Carsten B., der die Steuerermittlungen leitete und im ersten Prozess für die Verurteilung des Ex-Models sorgte.

Ausgangspunkt dieses Prozesses war eine Villa im Köpenicker Ortsteil Hessenwinkel. Nadja Auermann hatte das am Dämmeritzsee gelegene Anwesen 1998 gekauft. Allerdings nur als eine Art Renditeobjekt, wie sie schon während der Ermittlungen und auch im Prozess beteuerte. Keinesfalls habe sie dort gewohnt. Mit den kleinen Kindern sei das in dem Schutt und Baustaub gar nicht möglich gewesen. Deswegen sei sie auch nur ab und zu angereist, um die Rekonstruktionsarbeiten an dem Haus zu beaufsichtigen.

Der Finanzbeamte Carsten B. hatte das widerlegt – so sah es zumindest das Amtsgericht. Er hatte akribisch recherchiert, über Nadja Auermann sogar eine Art Bewegungsprofil angelegt. Und er hatte Nachbarn, Handwerker und andere Zeugen vernommen, die berichten sollten, ob und wie lange sie Nadja Auermann und deren Kinder auf dem Anwesen in Hessenwinkel gesehen hatten. Der Amtsrichter hatte bei der Urteilsbegründung gesagt, dass es Fotos gebe, Einrichtungsskizzen für das Haus und eine Reihe von Terminen, an denen sich Nadja Auermann nachweislich in Berlin aufgehalten habe. „Sie gelten als sehr liebevolle Mutter“, so der Richter. „Es ist für uns schwer vorstellbar, dass Sie bei ihren Berlin-Aufenthalten nicht im Haus in Hessenwinkel übernachtet haben wollen, obwohl dort ihr damaliger Ehemann – der Schauspieler Wolfram Grandezka – die noch sehr kleinen Kinder hütete.“

Carsten B. ist nun auch in dem Berufungsverfahren der wohl wichtigste Zeuge. Der 45-Jährige wird zunächst aber nur kurz vernommen. Er schildert, wie er das Model, das damals in Potsdam wohnte, im Juni 2006 bei einer Hausdurchsuchung kennenlernte. Sie habe sich sehr ruhig verhalten, sagt er. Das tut Nadja Auermann auch vor Gericht. Aber ihr Blick in Richtung dieses Beamten spricht Bände. Im Dezember soll Carsten B. erneut vernommen werden. Es werde viel Zeit brauchen, kündigt die Richterin an. So wie dieser Berufungsprozess überhaupt. Die Termine reichen schon bis in den Januar.