Mittendrin

Altmaiers Show im Alten Stadthaus

Florian Kain über politisches Leben fernab der Gremien

Geschlagene zweieinhalb Stunden warteten die Gäste des Parlamentarischen Abends (Motto: „Energieverschwendung halbieren“) geduldig auf den Stargast. Dann endlich, Punkt 21 Uhr, war es so weit: Umweltminister Peter Altmaier (CDU) enterte den Bärensaal des Alten Stadthauses an der Klosterstraße, den die Veranstalter beim Hausherrn, Innensenator Frank Henkel (CDU), angemietet hatten. Die Veranstalter – das waren allerhand Unternehmen, die gutes Geld damit verdienen, anderen Firmen und kommunalen Einrichtungen dabei zu helfen, weniger Strom zu verbrauchen. Zusammengeschlossen im Verband „Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz“.

Wenn man so will, sind das die Nutznießer der staatlich verordneten Energiewende, die die Strompreise derart steigen lässt, dass es die beste Taktik ist, den Verbrauch zu drosseln. Das erklärte auch die Partylaune der anwesenden Damen und Herren. Na klar, bei Prosecco Aperol, DJ-gesteuerter Musikbeschallung und exquisiten Speisen wartet es sich natürlich gleich noch mal so nett. Der Gourmet Altmaier schien allerdings schon in den Koalitionsverhandlungen, von denen er kam, Abendbrot gehabt zu haben. Er steuerte nicht das Buffet, sondern direkt das Rednerpult auf der Bühne an. Was folgte, war – kurz gesagt – ein demonstrativer Akt, dass weiter mit ihm zu rechnen ist, großkoalitionärer Postenpoker hin oder her. Er werde auch künftig die Energiewende „in dieser oder irgendeiner anderen Funktion“ unterstützen, rief er sogleich aus – wohl wissend, dass sein Ressort Gegenstand zahlreicher (auch absurder) Spekulationen für eine Neubesetzung ist. Altmaier sieht das offenbar gelassen. Er weiß, es gibt fast keinen, der so tief im Thema ist wie er. Und immerhin soll die notwendige Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bereits Ostern im Kasten sein. Sollte sich da ein Neuer erst noch mühsam einlesen müssen – Kanzlerin Angela Merkel (CDU) könnte ihren Zeitplan glatt begraben.

Kein Wunder also, dass die Gäste mit ihren Handykameras einen hochvergügten Minister dabei knipsen konnten, wie er nach seiner Rede eine herbeigebrachte Überraschungstorte aus Marzipan anschnitt und das erste Stück verköstigte. Nachtisch geht ja bekanntlich immer.