Film

Plötzlich hetero

Aylin Tezel und Kostja Ullmann spielen gemeinsam in „Coming In“

„Relax“ von Frankie goes to Hollywood schallt aus den Boxen in einem plüschigen, verstaubten Tanzcafé. Die Discokugel glitzert im Kunstnebel, etwa 20 Ü-50-Paare schunkeln im Discofox über die Tanzfläche. Einzig ein junges Pärchen stolpert unsicher durch die Menge. Es kommt sich näher, näher und noch ein bisschen näher. Plötzlich windet sich der junge Mann mit den blonden Strähnchen aus den Armen seiner hübschen Tanzpartnerin und verlässt fluchtartig die Tanzfläche.

„Danke“, ruft Marco Kreuzpaintner und klatscht in die Hände. Die Kameras sind aus, und das Licht geht wieder an im Saal des Quatsch Comedy Clubs an der Friedrichstraße. Stylisten, Kameraleute und Beleuchter wuseln über die Tanzfläche. Wir befinden uns in der Kulisse von Marco Kreuzpaintners Film „Coming In“, der in diesen Tagen in ausschließlich in Berlin produziert wird. Kreuzpaintner ist an diesem Tag – dem achten Drehtag – guter Dinge. „Bislang stimmt das Budget, wir sind gut in der Zeit“, sagt der Regisseur. „Ich bin entspannt.“

Für die etwas andere romantische Komödie hat der 36 Jahre alte Regisseur sich Aylin Tezel und Kostja Ullmann an seine Seite geholt. In den Nebenrollen sind unter anderen Ken Duken , August Zirner und Katja Riemann zu sehen. Ullmann spielt den schwulen Starfriseur Tom Herzner, der sich ausgerechnet in eine Frau verliebt, und zwar in die Neuköllner „Kiezfriseuse“ Heidi. „Tom, der Held der Berliner Gay-Community, gibt zu, das andere Geschlecht zu lieben. Das ist etwas, was in der Szene für viel Aufregung sorgt“, sagt Regisseur Kreuzpaintner. „Das ist so, als würde Bürgermeister Klaus Wowereit jetzt auf einmal sagen: ,Ich bin hetero, und das ist auch gut so.‘“

Bei den beiden Hauptdarstellern stößt das Liebeschaos jedoch auf Verständnis. „Es ist doch so, dass man sich in einen Menschen verliebt und nicht in das Geschlecht“, sagt Ullmann. Seine Kollegin pflichtet ihm bei. „Der Film soll zum Nachdenken anregen, dass man nicht immer in Schubladen denken darf.“

Bevor gedreht werden konnte, mussten die Hauptdarsteller nicht nur den Text lernen. Die viel größere Herausforderung war es, überzeugend als Friseure rüberzukommen. Beide übten bei Profis – und mittlerweile trauen sich beide sogar zu, einfache Frisuren zu kreieren. „Meine Freunde habe ich schon vorgewarnt, dass ich an ihre Haare will“, sagt Tezel und lacht. „Aber sie können keinen Termin finden. Komisch.“