Interview

„Frauen wollen einen zärtlichen Macker“

Der Schauspieler Uwe Ochsenknecht über seine Kindheit, Softies, Trash, Tränen, Föhnfrisuren und was gute Frauen toll finden

Boris Becker, Ingrid Steeger und Atze Schröder– sie alle stellten diese Woche auf der Buchmesse ihre Werke vor. Wie auch Schauspieler Uwe Ochsenknecht seine Autobiografie „Was bisher geschah“, (Bastei Lübbe, 257 Seiten). Dagmar von Taube traf den 57-Jährigen in Berlin zum Gespräch.

Berliner Morgenpost:

Herr Ochsenknecht, auch Ihre Memoiren sind nun frisch auf dem Markt. Wie viel ist darin gelogen?

Uwe Ochsenknecht:

Gelogen? Wer behauptet denn so was?

Sie selbst haben doch gerade auf der Buchmesse erzählt, Sie hätten am Anfang Ihrer Karriere Ihre Biografie neu erfunden. Brauchten Sie das?

Ja, gut, das ist 20 Jahre her. Ich war jung, war nicht besonders groß, vollmähnig oder muskulös. Also, Modelltypen sahen anders aus. Ich wollte einfach ein cooler Kerl sein. Bis zum Filmstart von „Männer“ hatte ich noch gar kein Management, also musste ich mir selbst etwas einfallen lassen: dass ich eben in Afrika geboren, mit zwölf von zu Hause abgehauen sei und in Spanien bei Zigeunern gelebt hätte. Mit dem Erfolg kam dann langsam das Gefühl, so, jetzt kannst du dich auch mal wieder entspannen. Ich muss keine Geschichten mehr erfinden. Meine eigene reicht mir.

Tatsächlich sind Sie in Biblis geboren, richtig? Das ist doch auch ein berühmter Ort, mit seinem AKW.

Ich bin in Hessen geboren, ja, und in Waldhof bei Mannheim aufgewachsen: Wohnblöcke, ein „Konsum“, ein Bäcker, ein paar miefige Kneipen noch. Wenn man wissen will, wo jemand hinwill, muss man verstehen, wo er herkommt. Wir lebten auf 40 Quadratmetern. Im Wohnzimmer standen eine Klappcouch und ein Schrankbett, die abends für meine Schwester und mich zurechtgemacht wurden. Tagsüber spielte ich auf den Fabrikgeländen und erforschte die verrosteten Container. Nachts lauschte ich den Zügen vom Bahnhof und stellte mir vor, wohin die wohl alle fuhren ...

Vom Vater wurden Sie geschlagen.

Mein Vater war ein sehr verschlossener Mann, der schon mit Prügelstrafe aufgewachsen war. Er wurde an die Heizung gekettet und dabei so heftig geschlagen, dass er einmal drei Tage nicht reden konnte. Er hat nie darüber gesprochen, er hat die Schläge weitergegeben. Er wollte Opernsänger werden. Aber weil seine Eltern dagegen waren – „das werden nur Schwule“ – und er sehr jung für seine eigene Familie Geld ranschaffen musste, fing er als Feinmechaniker an: jeden Morgen um fünf Uhr raus und in das ihm so verhasste Mercedes-Werk. 40 Jahre lang. Seinen Frust darüber lud er auf mich ab, besonders wenn er getrunken hatte, dann drosch er brüllend auf mich ein. Meist auf den Kopf. Fünf, zehn Minuten. Meine Mutter weinte, ich stotterte: „Bitte, sei doch wieder lieb.“

Immer mehr Prominente breiten in ihren Biografien heute die Gewalt aus, die ihnen als Kind angetan wurde. Brauchen wir diese Aufarbeitung?

Es geht darum, schlimme Fehler nicht zu wiederholen. Man muss die Zeiten sehen. Prügel zu kassieren war zu meiner Zeit nichts Ungewöhnliches. Überhaupt ein Eingehen auf die Bedürfnisse eines Kindes, das war früher nicht angesagt – nicht nur bei uns zu Hause. Das Schlimme ist, du hängst an deinem Vater. Es war schmerzhaft, verwirrend als Kind, aber ich dachte, er darf das wohl, er hat das Recht, zu schlagen, weil er mein Vater ist. Erst heute sind wir so weit, es als das zu betrachten, was es wirklich ist: Misshandlung. Ein Riesenmist!

Dann war Ihr Buch auch Therapie?

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die nun den Traumatisierungsschrankkoffer mit sich herumschleppen und dann sagen, kein Wunder, dass ich heute Angst vor Schränken habe. Nein, jeder hat sein Leben. Ich gebe meinen Eltern keine Schuld mehr: Sie waren überfordert allein, hilflos. Letztlich hat mich die mangelnde Zuwendung auch für meinen Beruf prädestiniert: Wenn ich auf der Bühne stehe, werde ich wahrgenommen.

Und wie! Der Leopardenslip vom Paternoster-Strip mit Heiner Lauterbach in dem Film „Männer“: Haben Sie’s eingerahmt, das gute Stück?

Schrecklich: diese Leopardenunterhose! Nein, die gibt’s nicht mehr. Aber der Film wird einmal im Jahr rausgeholt und dann wird die Szene studiert, in der ich kurz nackt zu sehen bin. Mit Stopptaste. Ganz wichtig, der Vergleich zu heute!

Und, sitzt noch alles?

Ich bin jetzt 57, ich finde, es geht noch. Aber ich trinke auch kein Bier mehr, keinen Gin Tonic, ich rauche nicht. Bissel Badminton, paar Gewichte stemmen. Ich guck’ einfach, dass die Billionen Zellen in meinem Körper bei guter Laune bleiben.

Seit „Männer“ haftet Ihnen ja so ein Frauenversteher-Image an. Baut das nicht auch einen enormen Druck auf?

Das bin ich ja gar nicht, ist ja totaler Quatsch. Ich rede gern über Frauen, ich liebe Frauen. Die wichtigsten Dinge in meinem Leben habe ich von Frauen gelernt, auch wenn es nicht immer leicht war mit ihnen. Aber das gehört nicht hierher.

Kein Problem. Reden wir doch mal über Frauen generell. Eine Studie ergab jetzt, Männer haben die Nase voll von Emanzipation: Karriere machen, Geld für die Familie ranschaffen, Kinder bespaßen und dann noch den Müll raustragen – sie fühlen sich überfordert, entmannt.

Ach was, nö. Mach ich doch auch mal: die Katzenklos sauber oder schnell mit dem Sauger durch die Wohnung.

Was darf man einen Mann nie fragen?

Mich darf eine Frau alles fragen, ich mag nur keine schlechte Laune und wenn Frauen zu kompliziert sind. Also, zum Kellner sagen: „Pasta mit Tomatensauce, aber ohne Pomodoro, bitte.“ Ich will lachen mit einer Frau, Spaß, guten Sex und nicht das Gefühl, dass ich mich verstellen muss, damit sie glücklich ist.

Könnten Sie sich vorstellen, für die Karriere Ihrer Frau zurückzustecken?

Nein. Mein Beruf hat absolute Priorität, weil es mich todunglücklich macht, wenn ich nicht spiele. Frauen, die damit nicht klarkommen, sind für mich nicht geeignet.

Aber sie darf auch Karriere machen?

Das muss sie selbst entscheiden. Ich bin zum ersten Mal jetzt mit einer Frau zusammen, die ihr eigenes Geld verdient. Kiki hat einen Kosmetik-Salon in Kreuzberg, „Beauty isn’t Make-up“. Da geh ich auch manchmal hin. Ist doch nett, wenn die Frau mitverdient. Mit meiner Frau davor hat’s aber auch 20 Jahre gehalten. Wenn eine sagt: „Pass mal auf, ich koche gern, ich räum gern auf“ – das gibt’s ja auch. Ist doch okay. Ich will, dass die Frau happy ist.

Treffen Sie Ihren alten Stammtisch-Kumpel Heiner Lauterbach noch?

Ab und zu, ja.

Der trinkt ja heute auch nur noch Früchtetee wie Sie. Was bleibt von einer Männerfreundschaft, wenn man keinen mehr zusammen heben kann?

Es geht um Familie, den Beruf heute.

Nicht langweilig?

Im Gegenteil. Ich habe Stammtisch immer gehasst, wo es nur um Frauen, Fußball, Formel 1 ging. Da unterhalten so Sprücheklopfer dann den ganzen Tisch mit ihren Schoten, dass man am liebsten im Boden versinken will – oder aber man schläft gelangweilt ein. Ich konnte da auch nie mitreden. Keine Ahnung, wer beim Fußball vorne ist. Interessiert mich nicht. Ich war noch nicht mal im Puff.

Was müsste man Ihnen zahlen, damit Sie ins Dschungelcamp einziehen?

Die Summe gibt’s nicht. Das ist Trash-TV, genau wie „Promi“-Dinner, und hat mit meiner Ausbildung, klassisches Theater, Gründgens, Shakespeare, wirklich nichts zu tun. Genauso „Big Brother“, ich habe da neulich mal kurz reingezappt: das Allerletzte, unterstes Niveau. Ganz ehrlich, wer sich solche Sendungen ausdenkt und auch noch Millionen mit diesen verzweifelten Menschen verdient, gehört für mich fristlos gefeuert. Ich finde auch einen Sender unverantwortlich, der so etwas zeigt, und die, die es moderieren. Das ist wie „Brot und Spiele“ im alten Rom. Moralisch extrem verwerflich.

Ihr Sohn Rocco war im Dschungelcamp.

Er kennt meine Meinung. Aber ich mische mich nicht in sein Leben ein. Jeder muss selbst seine Erfahrungen machen.