MITTEndrin

Zusammen isst man weniger allein

Florian Kain über politisches Leben abseits der Gremien

„Seid nett zueinander.“ Das ist das Grundprinzip des exklusiven Klubs, in dem sich an diesem Freitag Bundeskanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und ihre Delegationen zum ersten Sondierungsgespräch über die Macht im Bund treffen. Die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft, die im prachtvollen Reichspräsidentenpalais ihren Sitz hat, wurde schließlich 1951 gegründet, um die „menschlichen, sachlichen und politischen Beziehungen“ unter den Abgeordneten zu pflegen. Als Kontrast zum Theaterdonner und gegenseitigen Angriffen im Parlament.

Man bleibt hier in netter Atmosphäre und elegant unter sich – und das Parteibuch spielt plötzlich keine so große Rolle mehr. Journalisten müssen in der Regel draußen bleiben, was jedem Parlamentskorrespondenten ab sofort doppelt so schwerfallen dürfte. Der Klub taugt so jedoch als Ort für vertrauliche Gespräche. Dass sich Spitzenpolitiker beider Parteien gerade gegenseitig darin zu überbieten versuchen, die Neuauflage der großen Koalition zu einem Ding der Unmöglichkeit zu erklären, ist lediglich Teil des Spiels, um die Preise hochzutreiben. Ob es am Ende wieder zu Schwarz-Rot kommt, das wird eher abends beim Bier in der sagenumwobenen kleinen Kneipe im Sockelgeschoss namens „Kommunikationszentrum“ entschieden – als in den Talkshows der Bundesrepublik. Wenn da die Chemie stimmt, ergibt sich alles andere, so ist nun mal das Leben.

Dass Angela Merkel und Sigmar Gabriel miteinander können, ist kein Geheimnis. Und Unionsfraktionschef Volker Kauderist mit seinem SPD-Kollegen Frank-Walter Steinmeier sogar schon per Du. Weil Politikerliebe aber auch durch den Magen geht, kümmern sich gleich 40 Beschäftigte um die Verköstigung während der Sondierungsgespräche. Da darf man die Prognose wagen, dass Angela Merkel auch hier nicht auf die geliebten Käseplatten verzichten muss, die ihr im Kanzleramt regelmäßig serviert werden.

Für Sigmar Gabriel ist bestimmt auch eine Portion Fleisch zu bekommen, sein Lieblingsessen. Das ergänzt sich doch schon mal gut zum Käse.