Freundschaft

Ziemlich beste Freunde

Heute feiert das Stück Premiere in Berlin. Die Darsteller sind auch privat befreundet

Das ist kein Spiel. Zwei Männer, die in einer Bar in Kreuzberg sitzen. Sie sind vertieft in ihr Gespräch, nehmen ihre Umwelt kaum wahr. Immer wieder klopfen sie sich auf die Schulter und lachen. „Ich fühle mich schon sehr sicher bei dir“, sagt der eine. Da grinst der andere, umarmt sein Gegenüber.

Mike Adler, 35, und Erdal Yildiz, 47, sind Schauspieler. Am heutigen Sonntagabend werden sie erstmals gemeinsam vor einem Publikum auf der Bühne stehen. Sie spielen „Ziemlich beste Freunde“ in der Komödie am Kurfürstendamm, die nach dem gleichnamigen Kinofilm 2012 von Éric Toledano und Olivier Nakache dort Premiere feiert. Erzählt wird die Geschichte einer eher ungewöhnlichen Freundschaft: die des querschnittsgelähmten, aber reichen Philippe und seines Pflegers Driss, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt.

An diesem Mittwochabend davor schauspielern Adler und Yildiz nicht. Sie genießen das Berliner Nachtleben, sitzen in der Bar am Schlesischen Tor. Sie kennen sich erst seit wenigen Wochen – und unternehmen bereits auch privat viel miteinander. „Ich muss dich ja mögen“, sagt Mike Adler und klopft Erdal Yildiz wieder auf die Schulter. Dann verlassen die beiden die Bar, bedanken und verabschieden sich beim Wirt mit einem Händedruck.

Erdal Yildiz studierte von 1991 bis 1993 Schauspiel am Lee Strasberg Institute in New York. Er spielt in dem Theaterstück den vom Hals abwärts gelähmten Millionär Philippe. „Dieses Stillhalten-Müssen ist für mich wirklich schwierig“, sagt er, Sport sei ihm sehr wichtig.

Soap-Schauspieler Mike Adler hat seine Karriere als Rapper namens „Mike Fiction“ begonnen, ein paar Alben hat er auch veröffentlicht. Er trägt an diesem Abend ein bedrucktes T-Shirt, mit dem Emblem der Veranstaltung, die er mitorganisiert und die die beiden gleich besuchen werden.

Die Veranstaltung heißt „Rap am Mittwoch“. Sie findet seit einem Jahr im „Bi Nuu“ in Kreuzberg statt, nachdem sie aus einem Kellerraum der Ufa-Fabrik ausgezogen war. Bei dem einzigen Live-Rap-Battle Berlins haben einst Sänger wie Sido teilgenommen. Vor dem Klub stehen viele Menschen an diesem Abend. Die Türsteher lassen niemanden mehr hinein. Bis auf die beiden Schauspieler. Als sie sich nach vorn zur Bühne durchdrängen, stecken einige Mädchen die Köpfe zusammen und tuscheln. Mike Adler hat von 2008 bis 2009 in der Vorabendserie „Anna und die Liebe“ mitgespielt, er wird erkannt.

An diesem Abend zeigt er Erdal Yildiz eine neue Welt. Er kennt die meisten Gäste, zumindest die, die auf und neben der Bühne stehen. Gelegentlich trete er hier als Musikmanager Mike Kinski auf, sagt er. Erdal Yildiz lehnt an der Wand und beobachtet seine Umgebung. Es riecht nach Schweiß, die eng aneinander stehenden Zuschauer grölen, die jungen Mädchen tragen große Ohrringe. „Du musst es fühlen“, sagt Erdal Yildiz und zeigt auf die Masse. Dann ballt er seine Hand zur Faust und schlägt sich damit auf die Brust. Er sagt, dass ihm dieser Ort gefällt. Dass er gerade diesen Augenblick genieße, mit den vielen Menschen und seinem Kollegen Mike Adler. „Morgen haben wir dann wohl einen Kater bei der Probe“, sagt Mike Adler und lacht. Erdal Yildiz lacht auch.

Zwischen den beiden Schauspielern hat sich in den letzten Wochen eine Freundschaft entwickelt, sagen sie. Die intensiven Proben, die vielen Pressetermine – all das hat die beiden zusammenwachsen lassen. Sie sind sehr verschieden, sagen sie. Natürlich komme es bei den Proben auch mal zu Streitereien. Aber im Grunde seien sie schon auf einer Linie, würden viel voneinander lernen und sich gut ergänzen. Wie Philippe und Driss im Film – ziemlich beste Freunde.