Taxi Kasupke

Kasupke sagt, wie es ist

Heute is Wahltach. Trude und ick werd’n erstmal in alla Ruhe frühstücken, Zeitung lesen und dann int Wahllokal jeh’n. Ick weeß, wem ick meene beeden Stimmen jebe, sag’ ick Ihnen aba nich. Danach latschen wa ne Runde um’ See, dann jibts Kaffee und Kuchen. Und abends sitzen wa natürlich ab sechse vorm Fernseha und fieban, wer jewinnt und wer übahaupt in’n Bundestach kommt. So’n bisschen feialich is mir schon zumute, mehr als bei ner Abjeordnetenhauswahl. Nich nur, weil der Bundestach nun mal unsa oberstet Parlament is. Sondan vor allem, weil wa früha da jar nich mitwähl’n durften. Die Deutsche Jeschichte hat schon ’n jewaltijen Sprung jemacht in’n letzten dreißich Jahren. Da kann man an so nem Tach ooch ruhich mal dran erinnan.

Eens is im Laufe der Jeschichte aba üban Jordan jejangen. Der Bejriff Wahllokal hat sich übaleebt. Det man inna Kneipe wählt und hinterher noch ’n Frühschoppen am Tresen nimmt und mit die Nachbarn ins Quatschen kommt, det jibts kaum noch. Nur noch in ’n paar Außenbezirken. Wahrscheinlich, wenn so jar keene Schule oda Kita inna Nähe is. Schade eijentlich.

kasupke@morgenpost.de