Interview

„Wir haben Angst, uns den Ruf zu versauen“

Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol veröffentlichen als Band Gloria ihr Debütalbum

Vor acht Jahren lernten sich Klaas Heufer-Umlaur, damals Viva-Moderator, und Mark Tavassol, zu dieser Zeit Bassist bei der Band Wir sind Helden, in Hamburg kennen. Nachdem die erste Hürde einer aufkeimenden Männerfreundschaft – das heißt, die Frage nach einem Wiedersehen – überwunden war, fingen beide an, zusammen Musik zu machen. Am 27. September erscheint das erste Album der gegründeten Band Gloria. Annika Schönstädt hat mit ihnen gesprochen.

Berliner Morgenpost:

Haben Sie von Anfang an auf Deutsch gesungen?

Mark Tavassol:

Englisch zu singen war für uns nie eine Option. Glücklicherweise haben wir viele grundsätzliche Dinge von Anfang an sehr ähnlich gesehen. Dazu gehört auch die Feststellung, dass Musik immer eine gewisse Melancholie haben muss. Ebenso waren wir uns einig, dass Texte für uns das Wichtigste sind. Bei schwachen Texten hat man von vornherein verloren, da kann man noch so viel an der Musik rumproduzieren. Der Text ist dann dennoch für immer in Stein gemeißelt. Deswegen war für uns klar, dass es nur in der Muttersprache geht.

Seit wann haben Sie den Bandnamen?

Mark Tavassol:

Den haben wir relativ spät gefunden. Da hatten wir den Plattenvertrag schon. Lustigerweise musste das im Vertrag noch ausgefüllt werden, und wir haben es erst mal frei gelassen.

Klaas Heufer-Umlauf:

Wir haben von der Plattenfirma ständig Erinnerungs-Mails bekommen, dass wir uns endlich einen Namen ausdenken sollen. Das ist witzig: Als ich früher Musik gemacht habe, war der Bandname immer das Wichtigste. Selbst wenn man noch keine Songs hatte, hatte man immerhin schon einen coolen Namen. Jetzt war das anders, uns war das total egal. Die Entscheidung war dann auch recht unspektakulär. Wir waren abends ein Bier trinken. Uns fiel bei einem Laden auf der anderen Straßenseite der Schriftzug auf. „Gloria“. Es hat also etwas mit uns zu tun, ist aber auch nicht unglaublich bedeutungsschwanger.

Wenn es mit dem Album nicht so gut läuft, wäre das das Ende von Gloria?

Mark Tavassol:

Zum Glück ist es für uns nicht so wichtig, wie viel wir verkaufen. Wir haben eher Angst, dass wir uns den Ruf versauen mit einer lächerlichen Platte, weil wir zu diesem Zeitpunkt dachten, das müssen wir unbedingt loswerden.

Angst vor Kritikern, die sagen: Dieser Klaas, jetzt singt er auch noch?

Klass Heufer-Umlauf:

Ich finde, das ist ein legitimer Gedanke. Natürlich hat Bekanntheit Vorteile, die Leute werden sich die Platte zumindest erst einmal anhören. Entweder aus Voyeurismus oder aus Interesse. Wenn er oder sie die Platte dann scheiße findet, ist das auch okay. Da müssen wir uns diesen Beurteilungen stellen wie jeder andere auch. Aber wenn nur einer sagt, jetzt singt er auch noch, aber gar nicht mal so schlecht, dann ist es umso besser. Ich weiß ja auch, wie ich selber reagieren würde.

In Ihrem Pressetext ist von Großstadtpoesie die Rede. Gibt es da eine Konkurrenz zwischen Berlin und Hamburg?

Mark Tavassol:

Ach nein, mein Verhältnis zu Hamburg ist genauso ambivalent wie das von Klaas zu Berlin. Wir haben da ähnliche Probleme mit unserer jeweiligen Wahlheimat. Ich bin damals nur wegen des Studiums nach Hamburg gezogen. Was ist schon eine Stadt? Das sind viele Häuser nebeneinander. Der Song „Eigenes Berlin“ bringt dieses Gefühl auf den Punkt, dass man eine Stadt ab einer gewissen Größe sehr fragmentieren kann. Je größer die Stadt, desto mehr kann man sich das auch schöntrinken.

Klaas Heufer-Umlauf:

Ich finde das sehr merkwürdig, sich mit einer Stadt zu identifizieren. „Eigenes Berlin“ ist auch als Lückentext zu verstehen. Da kann man einsetzen, was man will. Bei mir ist es eben Berlin, aber es gibt sicher auch Leute, die in Erlangen sehr wenig verwurzelt sind.

Herr Heufer-Umlauf, wie ist’s, ohne Joko Winterscheidt was zu machen?

Das ist total okay. Es ist ja nicht so, dass er komplett weg ist. Wir sind Freunde, aber in der Sommerpause kommt es auch mal vor, dass wir uns zwei oder drei Monate nicht sehen. Ich freue mich aber auch, wenn dann das Telefon klingelt, auf dem Display steht „Joko“, und wir können über alles reden.

Wie werden die Live-Shows aussehen?

Klaas Heufer-Umlauf:

Es wird natürlich sehr viel Pyrotechnik geben.

Mark Tavassol:

Ich spiele oben ohne, Klaas unten ohne.

Klaas Heufer-Umlauf:

Im besten Fall wird es einfach ein Konzert.