Bühne

Vom Konzertsaal ins Kabarett

Bei der heutigen Premiere des Stückes „Keine Kunst“ will sich Bassbariton Thomas Quasthoff als Komiker zeigen

Keine Kunst ist es ganz sicher nicht. Auch wenn das Stück diesen Namen trägt. Ein anderer Name, der in diesen Tagen im Programmheft des Kabarett-Theaters „Die Wühlmäuse“ in Westend steht, zeugt von Kunst, Klasse und musikalischem Anspruch. Thomas Quasthoff. Dieser Name ist ein Begriff. Der deutsche Bassbariton, der in den vergangenen Jahrzehnten mit seinem Gesang Weltruhm erlangt, füllte die internationalen Konzertsäle. Doch der 53-Jährige will mehr. Dieses Mal soll es Kabarett sein.

Am heutigen Montag soll „Keine Kunst“ um 20 Uhr seine Premiere bei den Wühlmäusen feiern. Gemeinsam mit dem Kabarettisten Michael Frowin steht Quasthoff auf der Bühne, um dort Kunst und Kultur komödiantisch zu betrachten. Ein Abend, der harmlos daherkomme, sich aber mit bissigen Beobachtungen beißend-satirisch zuspitzen soll, wie es die Produzenten des Stücks ankündigen. Sie vertrauen den Fähigkeiten des Ausnahmesängers. „Ich bin mit Kabarett aufgewachsen, habe mich bereits während meiner Studentenzeit damit beschäftigt“, sagt Quasthoff bei einer Probe vorab. „Deshalb ist es für mich nichts so Neues. Ich werde also nicht über Nacht vom Sänger zum Kabarettisten.“

1988 hat Thomas Quasthoffs begonnen. Damals hat er den Internationalen Musikwettbewerb bei der ARD in München gewonnen. 2003 hat er sein Operndebüt bei den Salzburger Osterfestspielen gegeben, 2004 folgte sein Debüt an der Wiener Oper. Seitdem hat er mit bedeutenden internationalen Orchestern zusammengearbeitet und mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim und Sir Simon Rattle. Heute Abend will er dies mit dem Kabarettisten Michael Frowin, den er vor fünf Jahren bei einer Benefizveranstaltung kennengelernt hat. Gemeinsam sind sie dort aufgetreten.

„Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden“, sagt Thomas Quasthoff, „und ich habe gleich gewusst, dass ich Lust darauf haben würde, mit ihm auf der Bühne zu stehen.“ Jochen Kilian wird die beiden am Flügel begleiten. Klar, wenn Quasthoff auf einer Bühne steht, dann wird die Musik nie eine unbedeutende Rolle spielen – und es wird gesungen werden.

„Wenn ich auf der Bühne stehe und Kabarett mache, dann liegt es nahe, dass ich kein politisches Kabarett präsentiere, sondern mich eher um Kunst und Kultur kümmere“, sag Thomas Quasthoff. Besonders jetzt vor der Wahl werde er sich hüten, sich politisch zu äußern. Künstler, die dies tun würden, gebe es zur Genüge. „Klar ist aber auch, dass ich nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf der Bühne stehe, sondern vorsichtig und unterschwellig, geschickt auf etwas hinweisen will“, sagt Thomas Quasthoff. Es wird um Themen wie skurrile Foyergespräche, Macken von Schauspielern, absurde Kunstkritiken oder Aufnahmeprüfungen an Hochschulen gehen. Alles Dinge, mit denen sich Thomas Quasthoff Tag für Tag auseinandersetzen muss, wie er erzählt. „Man erlebt viel in einem Künstlerleben, hat witzige Begegnungen. Ich kann also aus dem Vollen schöpfen.“ Und so soll es nicht nur um Kunst und Musik gehen, sondern ein „entspannt anspruchsvoller Abend“ werden, bei dem die Zuschauer unterhalten werden. Wichtig sei: „Wir wollen nicht wie zwei Intellektuelle auf der Bühne stehen, die sich an ihrer eigenen Bildung erfreuen“, sagt Thomas Quasthoff.

Ein gewisser Ernst an der Sache sei wichtig. Denn eines, was er überhaupt nicht mag, sei Comedy. „Ich finde es schöner, wenn ich mit geschickten Worten und Schauspiel, elegant verpackt, Kritik üben kann. Man kann so viel machen mit der Klangfarbe der Stimme und den verschiedenen Charakteren, in die man bei einem solchen Stück schlüpfen kann“, sagt Thomas Quasthoff.

Aufgeregter als vor einem klassischen Konzert ist Thomas Quasthoff – obwohl er diese viele Jahre lang gegeben hat – nicht. „Bei beidem muss man sich viele Gedanken machen, wie das, was man rüberbringen möchte, auch so ankommt bei den Zuschauern und Zuhörern“, sagt der Künstler. Nur eines sei anders, erzählt er: die Auseinandersetzung mit der Reaktion des Publikums. „Ob man gut ist oder nicht, hängt einerseits von der eigenen Tagesform ab oder eben dem Geschmack der Leute, die im Zuschauerraum sitzen“, sagt Thomas Quasthoff. „Und beim Kabarett ist klar: Wenn man auf die Pointe warten muss, dann ist etwas schiefgelaufen.“